Diese Reise wird Sie in weniger bekannte Gebiete, führen, wo Sie – abseits vom üblichen Touristenpfad – das Wild beobachten können." So versprach der Text einer "Safari für Kenner", wie die Reise im Prospekt eines Veranstalters getauft war, und genau das wollte ich auch: Tiere beobachten. Also buchte ich.

Aber die Begriffe scheinen sich verwirrt zu haben. Was heißt "beobachten"? – Wir fuhren dreizehn Tage lang durch Nationalparks und Reservate in Kenia. Jedesmal, wenn wir ein Tier erspäht hatten, hielt der Wagen. Und für Sekunden ging ein Traum in Erfüllung. Dann wurde er jäh gestört durch hektisches Surren, Klicken und Aufziehgeräusche. Und eh ich mich versah, ging’s schon weiter.

Nur mit Mühe konnte ich, mit ein paar anderen Enttäuschten, den Reiseleiter bewegen, dann und wann einmal eine Viertelstunde lang wirklich stehen zu. bleiben. Es war fast immer das gleiche Ritual: Halten, automatischer Griff zur Kamera, Auslösen, Weiterfahren. Bisweilen kam ich mir vor wie eine Figur in einer surrealistischen Komödie. Auf die Frage, ob auch mal Leute ohne Kamera auf die Safaris kamen, erntete ich einen verständnislosen Blick und die Stimme von Reiseleiter Mister George war vor Verwunderung beinahe tonlos, als er "nein, fast nie" sagte.

Beobachten heißt in der Reiseprospekt-Sprache also photographieren? Für die Archivare unter den Urlaubern ist das sicher eine angenehme Definition. Was aber, wenn sich ein nicht photographierender Mensch, ein stiller Beobachter quasi, in der fröhlichen Safarirunde befindet? Das läuft dann meist so ab:

Man fährt beispielsweise durch eine der wenigen und sehr malerischen Eingeborenen-Siedlungen und bittet um einen Stopp. Weil man gern den Markt sehen will. Die Antwort: "Warum wollen Sie aussteigen, Sie dürfen da ja doch nicht photographieren?"

Daß man Bilder auch ohne weiteres ohne Kamera speichern kann, das scheint vielen Veranstaltern von Safari-Touren zwar bekannt zu sein, aber nicht in den Realisationsbereich zu gehören. Denn wer in einer solchen Gruppe vielleicht einmal einen Termitenbau näher besehen will, der wird nicht selten nicht nur vom Fahrer mitleidig belächelt, und wer gar Interesse für Blumen, Blüten oder Gräser zeigt, wird allzu schnell in die Kategorie der Sonderlinge eingereiht.

Unser Chauffeur übertraf sich in seinem Eifer, uns seine Welt zu zeigen. Stets breit lachend und immer liebenswürdig kutschierte er uns mit dem Schlachtruf "Cheetah, cheetah" einen ganzen Nachmittag lang durch die Steppe. Und vor lauter Ehrgeiz,, uns einen Geparden zu zeigen, passierte er achtlos Hyänen, Schakale, Störche und Strauße.