"Memoiren eines alten Arschlochs", von Roland Topor. Ob der französische Karikaturist Topor sich bisher graphisch ("Toxikologie", 1970) oder schriftstellerisch äußerte (ein Lesedrama "Jokos Ehrentag" erschien 1974) – immer lief es auf das schwärzeste Schwarz, auf rätselhafte Sado-Masochismen hinaus. Jetzt, wie plötzlich von allen bösen Geisten verlassen, schlägt er einen salto vitale und liefert eine höchst amüsante, überdrehte, fiktive Künstlerbiographie. Ein vorgeblich großer alter Maler ("... eine außergewöhnliche Begabung. Mit drei Jahren ritzte ich mit der Gabel Klees in den Kartoffelbrei") übt sich in der Kunst des "name-dropping", was hier auf einen Wolkenbruch von Namen hinausläuft: 400 Prominenzen verzeichnet das Register. Das "Alte A..." kannte und inspirierte einfach alles, was in Kunst und Politik der letzten hundert Jahre Rang und Namen hatte. Die virile Gertrude Stein fehlt ebensowenig wie "Fräulein" Rainer Maria Rilke. Eine intelligente Parodie auf den Kunst- und Literaturbetrieb sowie den Memoirenkult. (Aus dem Französischen von Eugen Helmté; Diogenes Verlag, Zürich, 1977; 206 S., 19,80 DM.)

Hanns-Hermann Kersten