Alle wurden überrascht, selbst die Kommunisten. Die Legalisierung der spanischen KP schlug wie ein Blitz im österlich stillen Spanien ein. Mochte die Regierung diesen Termin auch gewählt haben, um konservative Proteste zu erschweren. – die Vorsicht erwies sich als überflüssig. Die überwältigende Mehrheit der Spanier hat die Beseitigung des letzten franquistischen Relikts gebilligt. Selbst die Militärminister, die jetzt an Rücktritt denken, werden das Rad der Entwicklung nicht mehr zurückdrehen können.

Stück für Stück hat die Regierung Suárez in den vergangenen zwölf Monaten das alte System demontiert. Geduldig und zäh, unbeirrt von demokratischer Ungeduld links und ohnmächtigen Drohgebärden rechts hat sie ihr Versprechen verwirklicht, das Fundament für Demokratie und Parlamentarismus zu legen. Ihre Erfolge wurden so selbstverständlich, daß viele das Ausmaß des Geleisteten aus dem Auge verloren haben – als sei es alltäglich, eine Diktatur mit den Instrumenten der Demokratie unblutig zu überwinden.

Nun ist es an den Spaniern, bei den kommenden Wahlen ein mehrheitsfähiges Parlament zu bestimmen, das die Reformarbeit fortsetzen kann. Die Regierung hat das ihre getan – schneller als erwartet und besser als erhofft.

H. B.