Hinter Carters Politik: der Report der Ford-Stiftung

Von Josef Joffe

Schon im vorigen Herbst, als er noch die Wahltrommel rührte, rüstete Jimmy Carter zum Kampf gegen die Plutonium-Wirtschaft. In San Diego verkündete der ehemalige Atomingenieur, daß er als Präsident die kommerzielle Wiederaufbereitung von abgebrannten Kernbrennstäben so lange blockieren würde, bis ihre "Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit eindeutig demonstriert worden sind". Die eigentliche Stoßrichtung dieser Wahlkampflosung war schon damals eine politische: Wiederaufbereitung bedeutet Plutoniumgewinnung; und Plutonium ist ein Rohstoff, aus dem man Atombomben macht.

Am Gründonnerstag erhob Präsident Carter sein Versprechen zum Programm. In einer Sieben-Punkte-Erklärung zur US-Kernenergiepolitik verkündete er ein doppeltes Moratorium: Die kommerzielle Wiederaufbereitung wird in den Vereinigten Staaten von der Regierung nicht mehr finanziell gefördert; die Entwicklung des Schnellen Brüters wird zugunsten von Reaktoren zurückgestellt, bei denen kein waffenfähiges Plutonium anfällt.

Präsident Carter stützte sich dabei auf den lang erwarteten Report der Ford-Stiftung Nuclear Power: Issues and Choices, der Ende März erschienen ist. Die Namensliste der 21 Autoren liest sich wie ein Who is Who des amerikanischen Wissenschafts-Establishments. Einer der Mitverfasser, Joseph Nye, ist inzwischen vom Politikprofessor in Harvard zum Nonproliferations-Beauftragten im State Department avanciert. Ehe die Studie veröffentlicht wurde, empfing Carter die Verfasser im Weißen Haus. Zweifellos skizziert der Report auch die Marschrichtung der amerikanischen Politik in dem schwelenden "Atomkrieg" zwischen Bonn und Washington, den das heftig umstrittene deutschr brasilianische Nuklearabkommen ausgelöst hat.

Vordergründig geht es in diesem Ford-Bericht um Energiebilanzen und Uranreserven, um Reaktorsicherheit und Entsorgung, um Wiederaufbereitung und Anreicherung. Das eigentliche Anliegen der Studiengruppe ist freilich – wie bei Carter – nicht die Technik, sondern die Politik. Schon auf Seite 22 heißt es: "Das größte Risiko der Kernkraft ist die mit ihr verbundene Vermehrung jener Länder, die Zugang zu der Technologie, den Materialien und den Anlagen gewinnen, die ihnen die Fähigkeit zur Atomwaffenherstellung verleihen." Kann man den unaufhaltsamen Vormarsch der friedlichen Atomtechnik absegnen und die Ausbreitung von Atomwaffen verhindern? Dies ist die Kernfrage, die der Report auf 412 Seiten zu beantworten sucht.

Nein zum Kreislauf