Von Edgar Spoerer

Das Platzangebot des Münchner Olympiastadions (etwa 80 000 Zuschauer) würde nicht ausreichen, träfen sich alle im Laufe eines Kalenderjahres abgeurteilten Autofahrer, die wegen Trunkenheit am Steuer ihre Fahrerlaubnis verloren haben. Um im Bild zu bleiben: Selbst die Menge derjenigen, die aus dem genannten Grunde bereits zum zweiten Male zeitweise auf den Gebrauch ihres Autos verzichten müssen, ließe das Herz eines Bundesliga-Kassierers höher schlagen (jährlich etwa 24 000 Fahrer).

Ein drittes oder viertes Trunkenheitsdelikt bei einem Fahrer ist immer noch so häufig, daß sich diese Personen in den Untersuchungsstellen der medizinisch-psychologischen Institute – zum Teil nach monatelangen Wartezeiten – gegenseitig die Tür in die Hand geben. Ohne Wiederholungstäter würden die in den Bundesländern tätigen Obergutachterstellen ein kümmerliches Dasein fristen.

Etwa ein Drittel aller wegen Trunkenheit am Steuer Verurteilten wird wieder rückfällig, ein nicht unerheblicher Teil hiervon (20 Prozent) schon innerhalb eines Jahres.

Man muß sich fragen, ob das derzeitige Ahndungssystem bei Alkoholdelikten im Straßenverkehr die angemessene Form der Behandlung solcher Personen darstellt, die erwiesenermaßen ein hohes Risiko bedeuten: Jeder siebte Unfall mit Personenschaden, der sich in der Bundesrepublik ereignet, ist auf Alkoholmißbrauch zurückzuführen.

Nach statistischen Untersuchungen sterben auf den Straßen der USA jährlich 25 000 Menschen – das ist die Hälfte aller zu Tode gekommenen Unfallopfer – an den Folgen von Alkoholunfällen. In Nordamerika und in Australien hat man erkannt, daß Bestrafungen und Führerscheinentzug allein nicht ausreichen, um Trunkenheitstäter von einer Wiederholung abzuhalten. Das wurde auf der Siebten Internationalen Konferenz über Alkohol, Drogen und Verkehrssicherheit deutlich, die zu Beginn dieses Jahres in Melbourne stattfand.

Man ist in diesen Ländern seit einigen Jahren bemüht, Trunkenheitstäter zu rehabilitieren. Ausgefeilte Rehabilitationsprogramme basieren auf der Erkenntnis, daß ein großer Teil der wegen Trunkenheit am Steuer aufgefallenen Kraftfahrer nicht in der Lage ist, trotz empfindlicher Strafen und zeitweisem Ausschluß aus dem motorisierten Straßenverkehr weiterhin Fahrten unter Alkoholeinfluß zu vermeiden.