Von Horst Kerlikowsky

Mit ihrer Kritik waren deutsche Bankiers nicht zimperlich. "Es wäre sicherlich nicht richtig, das ausländische Kreditkartensystem bei uns zu übernehmen, nur weil diese Karten aufgrund des Wettbewerbsdrucks in ihren Ländern versuchen, sich nach Europa auszudehnen", warnte Ulrich Weiß, Direktor der Deutschen Bank. Er ging sogar noch weiter: "Die deutschen Kreditinstitute würden sich mit der Einführung einer oder mehrerer Kreditkarten in ein Projekt begeben, für das beim breiten Publikum kein Bedarf besteht."

Eckart van Hooven, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, lobte noch 1974 allein das Euroschecksystem hoch und gab zu bedenken: "Die Einführung von Kreditkarten ist mit hohen Verlusten verbunden."

Heute scheint der Bankier diese Verluste für tragbar zu halten; und einen Bedarf für eigene Kreditkarten haben die deutschen Banken auch ausgemacht. Sie kauften die Eurocard Deutschland GmbH, die vom 18. April an Kreditkarten an deutsche Bankkunden ausgeben wird. Denn Kreditkarten-Kritiker van Hooven hat inzwischen herausgefunden, daß bei den heutigen Marktgegebenheiten das Fehlen "eines deutschen Konkurrenzproduktes zu den amerikanischen Travel and Entertainment-Karten von vielen Kreditinstituten wie der interessierten Kundschaft als ein Mangel im Angebot der Institute empfunden wird.

Die Entdeckung, die deutsche Bankherren soeben gemacht haben, ist freilich nicht gerade neu. Seit nunmehr fast dreißig Jahren gibt es Kreditkartenorganisationen, die ihren – zahlungskräftigen – Mitgliedern kleine Plastikkarten (Größe: 5,4 und 8,5 Zentimeter) aushändigen. Für die Kartenbesitzer reicht es dann, wenn sie für eine Weltreise ein Taschengeld für Taxen und Tips in die Westentasche stecken. Flugtickets, Hotel- und Restaurantrechnungen, Mietwagen und kostbare Mitbringsel können in vielen Währungen hingegen mit Hilfe der Kreditkarte bargeldlos beglichen werden. Es genügt die Unterschrift unter ein Rechnungsformular.

Die Kreditkartenorganisationen garantieren dem Einzelhändler wie dem Restaurantbesitzer, der Fluglinie wie dem Hotelier, daß die Rechnung innerhalb weniger Tage beglichen wird. Dem Karteninhaber sendet sie einmal monatlich eine Sammelrechnung (mit den Durchschlägen der unterschriebenen Rechnungsformulare) in der Landeswährung des Kunden.

Doch das simple System hat einige Haken, denn nicht überall sind die Karten zu verwenden. So gibt es in einigen Ländern Devisenvorschriften, die durch dieses "Ersatzgeld" durchlöchert werden würden. Auch sind nicht alle Einzelhändler und Hoteliers bereit, diese Karten zu akzeptieren, weil es für sie Kosten bringt. Sie müssen nämlich – und davon leben die Kreditkartenorganisationen hauptsächlich – eine Umsatzprovision zahlen, die meist zwischen fünf und, acht Prozent liegt. Das hält viele Firmen davon ab, sich als Vertragsunternehmen von Kreditkartenorganisationen anwerben zu lassen.