Als die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft vor einem Jahr den Vorschlag des britischen Premierministers annahmen, Roy Jenkins zum Präsidenten der Brüsseler EG-Kommission zu machen, hatten sie auch noch eine zweite Anregung Callaghans wohlwollend zur Kenntnis genommen. Der nächste Kommissionspräsident, so hieß es verheißungsvoll, solle administrative Verbesserungen in der Euro-Bürokratie zu einer seiner wichtigsten Aufgabe machen.

Alteingesessene Bürokraten, deren Stammbaum bis zur Unterzeichnung der Römischen Verträge zurückreicht, fühlten sich durch die Ankündigung, der neue Präsident werde das "Berlaymont-Gebäude" einmal kräftig durchlüften, keineswegs erschreckt, sondern eher zu Witzchen animiert. In der Tat hat die neue EG-Kommission dem Problem der administrativen Reorganisation bisher keine sonderliche Aufmerksamkeit geschenkt. Köpfe rollten nur in den oberen Etagen, als im Zuge der Geschäftsverteilung auf die einzelnen Kommissionsmitglieder Generaldirektionen zusammengelegt wurden.

Auf den unteren Ebenen dagegen hat sich bisher wenig verändert. Wirkliche Schneisen zu schlagen, würde allerdings auch schwerfallen, denn das Beamten-Statut schützt die Euro-Funktionäre. Wer nicht freiwillig geht, ist vor dem Rausschmiß sicher.

Im Sinne Parkinsons versucht Roy Jenkins nun auch noch, der Kommission einen eigenen Planungsstab zu verpassen. Über diesen Vorschlag palavern die dreizehn Kommissare nun schon seit Wochen, ohne daß sich eine Mehrheit für die Auffassung des Präsidenten erwärmen konnte, daß ein "think-tank" den Kommissaren den Weg aus der dunklen Gegenwart in eine hellere Zukunft weisen müßte.

Schärfster Gegner dieses als "Schnapsidee" belächelten Vorschlags ist Jenkins Amtsvorgänger, der jetzige Vizepräsident Francois-Xavier Ortoli. Viele teilen seine Befürchtung, daß ein eigener Planungsstab nichts weiter sei als eine ner Planungsstab nichts weiter sei als eine "Planung in der Planung". Denn: Von ihrer in den Römischen Verträgen festgelegten Aufgabenstellung her ist die EG-Kommission ja ein Apparat, der in die Zukunft hinein planen soll. Die Befürchtung, daß ein zusätzlicher Planungsstab "nichts weiter tut, als Berge von Papier zu produzieren, die keiner liest", ist also nicht ganz von der Hand zu weisen.

Der Kern des Widerstands der Kommissare gegen ihren Präsidenten richtet sich jedoch gegen dessen Versuch, seinen Beraterstab weiter auszubauen; jeder Kommissar hat fünf Kabinettsmitglieder, der Präsident hat normalerweise sieben, Jenkins hat jedoch schon acht. Seine "rechte Hand", der Labour-Politiker David Marquand, ein treuer Gefolgsmann im Kampf um den EG-Beitritt des Vereinigten Königreichs, fungiert als "Experte", neben dem siebenköpfigen Kabinett des Präsidenten. Er soll sich um das europäische Parlament kümmern – eine Aufgabe, die auch auf den Kommissionsmitgliedern Burke und Natali lastet. In Wirklichkeit kümmert sich Marquand um die Abstimmungsmehrheiten für Premierminister Callaghan im Unterhaus. Er erhält bis auf weiteres auch kein Gehalt, sondern ein Expertenhonorar auf Tagesbasis.