Von Ursula Pommer

Ich war ja blöd, wo ich’s viel billiger haben kann und vor allem – legal! Wer heute noch fixt, ist doch blöd!" Klaus P., 20 Jahre alt, Drogenabhängiger .. und "Umsteiger" von Heroin auf Valoron, streckt gelassen die Beine unter den Tisch. Seine Einzeldosis von 100 Tropfen Valoron (statt der normalen verschriebenen 20 Tropfen zur Schmerzbekämpfung) hat er vor ein paar Minuten geschluckt. Es ist die dritte des heutigen Tages. Ihm ist wohl zumute, das heißt alles ist ihm "scheißegal". Fünf weitere Male wird er heute noch die gleiche – Menge (jeweils 100 Tropfen) zu sich nehmen müssen, um diesen Zustand der Scheingelassenheit zu erhalten und die Nacht überbrücken zu können.

Klaus gehört zu dem "harten Kern" derjenigen, die vor sechs Jahren in die Drogenszene einstiegen, anfangs Shit (Haschisch) rauchten, und danach ("da fängt man allmählich an, so blöd rumzuhängen") auf LSD umstiegen. "Bewußtseinserweiterung" war damals das Schlagwort, das die politisch gefärbte Ideologie der jugendlichen Rauschgiftkonsumenten prägte. Und zu diesem Zweck ging man "auf Trip", man schluckte LSD, ein synthetisches Opiat, das jedoch unterschiedlich vertragen wird. Die einen haben angenehme Halluzinationen, sie können zum Beispiel "Töne sehen", für andere aber wird der Trip, der eigentlich "Abfahrt" in den Glücksrausch sein sollte, zum Horrortrip der Ängste und Wahnvorstellungen.

Der rettende Tip

Wieder auf das leichtere Haschisch zurückzugreifen, ging gegen Klaus P.s Ehre. Das Leitbild der Schwachen schreibt Höhergehen vor. So begann Klaus zu "schießen" – Heroin. Damit war er zum "Fixer" geworden und zum Polytoxikomanen, einem "user" mehrerer Drogen.

Sein Mehrfachkonsum erhöhte sich um ein weiteres Mittel, als für Klaus die erste Versorgungslücke auftrat: Das tägliche Quantum Heroin war nicht aufzutreiben. Klaus wurde "hängengelassen", und quälende Entzugserscheinungen stellten sich ein. Sie begannen mit Schweißausbrüchen und jagendem Puls. Heftiges Zittern befiel ihn. Alle Glieder schmerzten. Klaus wurde von Husten geschüttelt. Andauerndes Gähnen ließ ihn nicht zum Durchatmen kommen. Aufsteigender Übelkeit folgten Erbrechen und Durchfall. Seine gesamte Muskulatur verhärtete sich. Das Gefühl von Verlassenheit und entsetzliche Angstzustände ließen ihn völlig außer Kontrolle geraten.

Da kam der rettende Tip aus der "scene", die er zum Schluß nur noch betreten hatte, um seinen "dealer" (Rauschgifthändler) aufzusuchen. Ein Freund verriet ihm: "Dr. NN verordnet ohne weiteres dummes Gefrage Valoron, wenn du angibst, daß du Kolikschmerzen hast oder so. Das Zeug ist ganz neu und wirklich dufte...!"