ls Herkules Bell, der zwar die Sonne in den matten Tag der Traumleute bringt, aber sonst ganz irdischer amerikanischer Multimillionär mit eigenem Heilsauftrag ist, als Widerpart der bedrohlichen weil nicht faßbaren "Überexistenz" des antikischen Traumreichgründers Patera auftritt, muß Traumreich in einem apokalyptischen Zerstörungstaumel untergehen.

Dieser Sieg eines dualistischen Weltprinzips über ein schicksalhaft determiniertes, monistisches, wie ihn Kubin mit seinem Roman "Die andere Seite" (1909) beschreibt, zeigt den geistigen Standpunkt des Künstlers am "Wendepunkt einer seelischen Entwicklung". Die an den Gedanken Schopenhauers und Nietzsches orientierte, einseitig düstere Weltsicht des jungen Kubin weitet sich: Der Demiurg enthüllt sich am Ende des Romans als Zwitter. Zwittrig wird nun auch die Weltvorstellung Kubins, wenngleich sein "Ich bin Fatalist" auch in späterer Zeit wiederkehren wird.

In seinen autobiographischen Aufzeichnungen, die Kubin unter dem Titel "Aus meinem Leben" seit der zweiten Ausgabe (1917) dem Roman fortlaufend voranstellte und die jetzt in zweiter Auflage zusammen mit anderen autobiographischen Skizzen, Erinnerungen und Anekdoten als Taschenbuch erschienen sind –

Alfred Kubin: "Aus meinem Leben – Gesammelte Prosa mit 73 Zeichnungen", herausgegeben und mit einem Nachwort von Ullrich Riemerschmidt; dtv 1260 Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1977; 222 S., 6,80 DM

heißt es über "Die andere Seite": "Ich gewann während ihrer Verfassung die gereifte Erkenntnis, daß nicht nur in den bizarren, erhabenen und komischen Augenblicken des Daseins höchste Werte liegen, sondern, daß das Peinliche, Gleichgültige und Alltäglich-Nebensächliche dieselben Geheimnisse enthält."

Zusammen mit den bereits im vergangenen Jahr bei dtv unter dem Titel "Aus meiner Werkstatt" (dtv 1179) erschienenen Werkstatt-Äußerungen, Erinnerungen und anderen Prosaschriften Kubins ist diese biographische Selbstdarstellung die wichtigste Quelle zum Verständnis seiner Kunst.

Schriftliche Aussage und bildliche Gestaltung haben denselben Ursprung, sind austauschbare Medien, derer Kubin sich wahlweise bedient bei der Darstellung jenes "seelischen Zwischenreichs der Dämmerung", in dem seine Bildvorstellungen gründen. Mit leiser, durch Entfernung entstandener Ironie berichtet er von Kindheit und der ersten Begegnung mit dem Tod, die ihn fortan immer wieder zu der Erfahrung äußerster Verlorenheit führt. Er berichtet vom "Trost" bei den Philosophen, von Delirien und "Wunderräuschen", von ekstatischen Tagträumen und Visionen, auf die wilder unbändiger "Arbeitsdrang" oder tiefe Niedergeschlagenheit folgen, später auch von helleren Augenblicken, in denen "Serien harmonisch ausgeführter Blätter" entstanden.