Die Elbe kenne ich von Finkenwerder her. Es sei mir also verziehen, daß ich an den Ufern dieses deutschen Flusses keine Reben vermutete. Dabei gedeiht etwa bei Meißen köstlichster Elbe-Wein. Zwölf Kilometer flußabwärts habe ich ihn beim "Rosengarten"-Wirt probiert: einen herben Müller-Thurgau, der ohne Restsüße in die Flasche kommt. Bis zu 30 000 Hektoliter jährlich werden aus den Trauben gepreßt. Die besten Jahrgänge: 59er, 64er, 75er und 76er. Besonders zu empfehlen: die Spätlese Meißner Kapitelberg. Wenn sie zwei Gläser davon trinken, merkte ich bald an unserem Tisch, werden auch Sachsen überschäumend lustig.

Auf der Autobahn nach Berlin überhole ich auch dahintuckernde Traktoren. Sie erinnern mich daran, daß manches Verkehrsgesetz hier in der DDR anders ist als drüben. Auf der Autobahn darf ich zum Beispiel nicht schneller als 100 km/st, auf der Landstraße nur bis zu 90 km/st fahren. Die Promillegrenze von null komma null (eine konsequente Sache) habe ich mir selbst eingeschärft. Sogar etwaige Gastgeber machen sich strafbar, wenn sie mich nach Alkoholgenuß ans Steuer lassen.

In der Stadt darf ich auch bei Rot (ohne Pfeil) rechts abbiegen. Nach einer Panne oder einem Unfall kann ich auf der Autobahn größtenteils etwa alle fünf Kilometer um Hilfe telephonieren. Notfalls werde ich (ebenso wie Bundesbürger) in einem DDR-Unfallkrankenhaus gratis verarztet. Wenn ich den ADAC-Inlandsschutzbrief plus DDR-Bon (für 7,50 DM extra) habe, wird mein Auto zudem kostenlos geborgen und bis zur Grenze abgeschleppt.

In Berlin fällt mir als erstes auf, daß auch Sozialisten mit ihren Bauten gern die Wolken kratzen. Das Interhotel "Stadt Berlin" zum Beispiel hat 37 Stockwerke. Vom Café ganz oben hüpft der Blick nach Westen über die Mauer. In der Lobby ballt sich eine sowjetische Delegation zum Gruppenbild mit Dolmetscherin zusammen. An der Garderobe geben zwei hohe Marine-Offiziere, die Brust voller Orden, die Mäntel ab.

Halleluja im Händel-Haus

Gäste aus dem nicht-sozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW) sind hier, wie auch in den anderen Interhotels, eine Minderheit. Für das Bett im Interhotel zahlen sie meist doppelt soviel wie Ost-Gäste. Für den Besucher aus dem Westen ist nur bedingt Platz da (deshalb die Vorbuchung): in insgesamt 50 Hotels, darunter 27 Interhotels mit insgesamt 14 000 Betten.

Vortritt hat eben der eigene erholungssuchende Bürger. Für ihn gibt es 234 000 Betten in Jugendherbergen, Wanderheimen und Betriebsferienheimen. Allein der Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) registriert 1,5 Millionen Urlaubsübernachtungen seiner Mitglieder jährlich.