Beim frühmorgendlichen Trimm-dich-Kopfstand schoß Präsident Carter der kühne Gedanke durch den Kopf, an Nicaragua – wie vom State Department vorgeschlagen – ein Exempel zu statuieren und die militärische Entwicklungshilfe solange zu suspendieren, bis die Menschenrechte dort nicht mehr mit Füßen getreten werden. Anschließend aß Carter frohgemut seine Haferflockenspeise und stampfte nebenbei wieder, einen Palästinenserstaat aus dem Boden, was später sowohl die Ägypter wie die Israelis tief verstören sollte, von den Palästinensern ganz zu. schweigen.

Ohne sich auch nur eine kurze Verschnaufpause zu gönnen, nahm er nun die Uran-Frage persönlich in die Hand und stieß erst mal Bonn durch einen Exportstopp vor den Kopf, um danach das Problem auf die lange Bank zu schieben.

Inzwischen war es bereits elf geworden, und der Bericht über die Menschenrechte in Burundi lag noch immer nicht vor, obwohl davon abhing, ob Burundi weiter US-Hilfe bekommen oder die Beziehungen zu Amerika abbrechen würde. Carter dachte kurz daran, Sacharow mal wieder einen Brief zu schreiben, zog es aber dann vor, den Kreml mit einem neuen gepfefferten Abrüstungsvorschlag für die nächste Salt-Runde zu erschrecken.

Vor dem Lunch widmete sich Carter noch kurz der Weltwirtschaftslage und ließ Bonn und Tokio wissen, daß er ihnen, falls sie nicht endlich auf Inflationskurs gingen, die Zähne zeigen würde. Während des Lunches gönnte sich der Präsident eine kurze Atempause, aber schon beim Dessert fiel ihm Zaire ein, und er beschloß, Mobuto eine nichtmilitärische Waffenhilfe zu gewähren, natürlich ohne sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen.

Während eines Nickerchens träumte Carter vom Weltraum und schrak hellwach hoch, als ihm dämmerte, daß er der UN noch immer kein außerparlamentarisches Menschenrechts-Abkommen vorgelegt hatte. Ohne sich von eigenen innenpolitischen Problemen ablenken zu lassen, stürzte er sich am frühen Nachmittag auf weitere Weltprobleme. Nach einem kurzen Blick auf den Globus war ihm sofort klar, daß es nicht damit getan war, den Indischen Ozean zu neutralisieren, sondern auch gleich die Antarktis, worüber man in Neuseeland allerdings ebensowenig entzückt sein würde, wie zuvor schon Australien über seinen Indischen-Ozean-Einfall.

Am späten Nachmittag zitierte Carter seinen Menschenrechts-Experten für Afghanistan herbei und hörte von ihm, daß es dort um die Pressefreiheit noch schlechter bestellt sei als in Singapur, was aber in Afghanistan weniger ins Gewicht falle, weil dort die Zahl der Analphabeten um vieles höher liege.

Anschließend beriet Carter mit Brzezinski, wie man sich für die Menschenrechte in Ulster einsetzen könnte, ohne dabei den netten Callaghan zu brüskieren. Danach erkundigte er sich bei Vance, wie man Bonn an der Erfüllung seines Atomvertrages mit Brasilien hindern, zugleich aber die Beziehung zu beiden Ländern verbessern könne.

Für den Abend hatte sich der Präsident zwei harte Nüsse zum Knacken vorbehalten: Südkorea und die Philippinen. Nach erbittertem Kampf mit sich selber beschloß er, den beiden auch weiter Militärhilfe zu gewähren, obwohl die Menschenrechte dort so arg mißachtet werden, sagte dazu aber leise: "Wir sind alle Sünder" und schloß beide Staaten in sein Nachtgebet ein. Als ihm dabei die Augen zufielen, war ihm durchaus bewußt, daß er heute ein paar Weltprobleme ungelöst gelassen hatte, aber morgen war ja schließlich auch noch ein Tag.