Karl-Richard Könnecke: "Richtig reisen – Kopenhagen". Tivoli, Smörrebröd, die kleine Meerjungfrau, Ströget und Zwiebelmuster-Porzellan sind Synonyme für eine Stadt geworden, die aus lauter liebenswerten Klischees zu bestehen scheint und die trotz ihrer Weltberühmtheit zu den unbekannteren Metropolen zählt. Denn hinter dieser heilen und lächelnden Touristenwelt mit ihrem mittelalterlich-märchenhaften Gepräge versteckt sich Kopenhagens größte unbemerkte Attraktion – die lebendige Stadt Kopenhagen, ihre Bewohner, ihr Alltag. Das Buch führt mitten in dieses unbekannte Kopenhagen mit der unvergleichlichen Mischung aus Lebensfreude, Lebenskunst, provinziellem Charme, weltstädtischer Weite, ablesbarer Historie, Kultur und Kunst, sündigem Hafenmilieu und gutbürgerlicher Gemütlichkeit, heiterer Ironie und königlich dänischer Toleranz. (Du-Mont Buchverlag, Köln, 1977; 200 S., 22,– DM.)

Rudolf Braunburg: "Nachtstart". In Rio hat sich die schwerste Katastrophe in der Geschichte der deutschen Zivilluftfahrt ereignet Ein deutscher Charter-Jumbo ist beim Anflug in die Guanabara-Bucht gestürzt; der Befund der Unfallkommission: menschliches Versagen. Ein alter Freund des beschuldigten, tödlich verunglückten Flugkapitäns, bekannter Luftfahrtjournalist und privater Unfallexperte, gibt sich mit dem Urteilsspruch nicht zufrieden, rollt in mühsamer Kleinarbeit den Fall auf, spielt alle Möglichkeiten (Attentat, Tropengewitter, Vogelschlag, Zusammenstoß, Bedienungsfehler) neu durch und stößt auf mysteriöse Zusammenhänge. Die Fiktion wird ergänzt durch sachliche Informationen über tatsächliche Flugzeugkatastrophen. Braunburg hat an Ort und Stelle geschrieben und über Ausrottung der brasilianischen Indianer und skandalöse Landkaufpraktiken, sowie über Waffenverkaufsgeschäfte der Bundesrepublik recherchiert (Roman; Schneekluth Verlag, München, 1977; 431 S., 28,– DM.)

Peter Sagen "Süd-England – Architektur und Landschaft, Literatur und Geschichte". Dieser Kunst-Reiseführer beschreibt, südlich einer imaginären Grenzlinie London–Bristol, Englands Countryside, die historischen Grafschaften von Kent bis Cornwall: prähistorische Hügellager, römische Landhäuser, normannische Burgen, elisabethanische Schlösser, Dorfkirchen mit Glasmalereien der Präraffaeliten, Kathedralen und die Ruinen der "Schauerromantik"; Herrenhäuser, seit Jahrhunderten bewohnt, mit Gemälden, Möbeln und Porzellan so kostbar ausgestattet wie Museen. Der Autor erzählt, wie Francis Drake, Wellington, Churchill und Queen Victoria wohnten und wo Kaiser Wilhelm sich duschte; wo Heinrich VIII. Anne Boleyn traf und Fürst Pückler auf Brautschau ging; wo Reynolds und Turner malten, wo Swift Hauslehrer und Dickens Hausherr war; wo "Lawrence von Arabien" starb und wo "Alice im Wunderland" lebte. Der Leser kann den Wanderwegen der romantischen Dichter Coleridge und Wordsworth folgen, die Schauplätze der Artus-Sage, der Magna Charta oder der Schlacht von Hastings besichtigen. Es gibt Exkursionen zum Pferderennen nach Epsom, zum Ursprungsort von Badminton und zu einem der Drehorte von Stanley Kubricks Historienfilm "Barry Lyndon". Pubs, Public Schools und Picknickplätze werden ebenso berücksichtigt wie Landschaftsgärten und die "Follies" der Exzentriker. (Du Mont Kunst-Reiseführer, DuMont Verlag, Köln, 1977; 367 S., 28,– DM.)