Washington, im April

Aus dem State Department in Washington drang zu Anfang der Woche wieder Ärger über Carters UN-Botschafter Andrew Young an die Öffentlichkeit. Die Amerikaner sollten sich doch nicht verrückt machen lassen, hatte er erklärt, von den Russen und Kubanern in Afrika sprach er. Doch die Carter-Administration unterstützt die gemäßigten Regime auf dem schwarzen Kontinent vorsichtig. Das Eingreifen Märokkos und die Hilfestellung Frankreichs in Zaire stoßen keineswegs auf den Tadel im Weißen Haus, und auch ägyptische und sudanesische Unterstützung für den bedrängten Präsidenten Mobutu sähe Washington nicht ungern.

Die amerikanische Regierung hatte im März militärisches Gerät und medizinische Hilfe im Werte von knapp zwei Millionen Dollar nach Zaire beordert, doch sehr viel mehr zu tun, ist sie im Augenblick offenbar nicht bereit. Der Kongreß würde Schwierigkeiten machen. Der Afrika-Experte des Senats, der Demokrat Dick Clark aus Iowa, hat erst dieser Tage den Konflikt in Zaire als einen reinen Bürgerkrieg definiert, und in einem Hearing vor dem außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses wurde Außenminister Vance vor drei Wochen sehr deutlich auf die Mißachtung der Menschenrechte in Zaire angesprachen. Der Kritik des Ausschusses, daß im neuen Budget 32,5 Millionen Dollar für reguläre Militärhilfe an Zaire veranschlagt wurden – gegenüber 3,5 Millionen Dollar 1975 – begegnete Vance mit dem Argument, der Verlust der Kupferminen wäre für Kinshasa ein schwerer Schlag. Hinzu kommt, daß in den Kupferminen von Zaire auch amerikanisches Kapital steckt, nach Zeitungsberichten eine Milliarde Dollar.

Die Regierung Carter kann auch im anderen afrikanischen Krisenfeld, Rhodesien und Südafrika, nicht einfach das Erbe vergangener Administrationen beiseiteschieben. Zwischen Andrew Youngs drängenden Wünschen, die USA mögen eine Politik führen, die sie in den Augen der Schwarzafrikaner als Gegner der weißen Regime erscheinen läßt, und der Wirklichkeit, tut sich eine erhebliche Kluft auf. Ulrich Schiller