Das Magazin L’Expansion stellt eine internationale Rangliste auf

Seit Anfang Februar liegt der Pariser Nationalversammlung ein Gesetzentwurf vor, der heiße Diskussionen verspricht. Französische Unternehmen mit mehr als 750 Mitarbeitern sollen dazu verpflichtet werden, in einer Sozialbilanz alle Leistungen zugunsten ihrer Angestellten und Arbeiter zusammenzustellen. Was einige fortschrittliche Unternehmen in der Bundesrepublik bereits praktizieren (siehe ZEIT Nr. 14), stößt bei französischen Bossen aber noch auf beträchtlichen Widerstand.

Dabei brauchen viele französische Unternehmen den Vergleich gar nicht zu scheuen – nicht einmal international. Das Wirtschaftsmagazin L’Expansion verglich die sozialen Anstrengungen führender Unternehmen aus sieben Industrieländern. Dabei erwies sich Schweden als fast unschlagbar, die Bundesrepublik kam vor Frankreich auf Platz zwei. Ruhmloses Schlußlicht der sozialen Hitparade: Großbritannien.

Die Juroren sahen sich in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Schweden, Japan und den USA um. In den Branchen Transport, Stahl, Automobil und Banken nahmen sie die größten Unternehmen unter die Lupe (für die Bundesrepublik Bundesbahn, Mannesmann, Volkswagen und Deutsche Bank). Bei Stahlkochern, Autobauern und Bankiers kamen die deutschen Teilnehmer an der Sozialolympiade jeweils hinter Schweden auf Platz zwei. Nur die Bundesbahn mußte sich nicht nur von der schwedischen, sondern auch von der französischen Staatseisenbahn überholen lassen.

"Was haben sie den andern denn voraus, diese Schweden und Deutschen?" fragen die Preisrichter. Sozialdemokratische Politik könne es allein nicht sein, sonst müßten die Briten besser abschneiden. Die wohlabgewogene Antwort: "Daß es auf sozialem Gebiet besser funktioniert, liegt möglicherweise an der Anerkennung der Interessenunterschiede und folglich an der Art, wie Arbeitgeber und organisierte Arbeitnehmer an die Probleme herangehen; schließlich besteht der Wille, die Probleme gemeinsam zu lösen."

"Wie bei großen Köchen hat jedes Land eine Spezialität, die es besonders gut beherrscht", resümiert L’Expansion. Die Briten erscheinen als Champions der Tarifverhandlungen, die Japaner geben weitreichende Arbeitsplatzgarantien, die Franzosen legen auf Weiterbildung besonderen Wert, die Amerikaner zahlen gut, und die Italiener gönnen sich einen frühen Rückzug in die Rente. Bei Schweden und Deutschen allerdings findet man von jeder Spezialität etwas auf dem Menü.

Natürlich hängt das Ergebnis einer solchen Untersuchung nicht zuletzt von den Erfolgskriterien ab, auf die sich die Preisrichter einigen. Sie stellten einen Cocktail von vierzig betrieblichen Leistungen zusammen, die von der Bedeutung der Tarifverhandlungen über Höhe der Gehälter bis zur Beschäftigung von Frauen geht. Neben dem Vergleich von Löhnen wurde Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeitszeit oder Information der Mitarbeiter gewertet, weil dies mehr über die soziale Einstellung eines Unternehmens aussagt als die Verteilung von Geschenken bei der jährlichen Weihnachtsfeier.