Das deutsch-brasilianische Atomgeschäft ist jetzt perfekt. Nach monatelangem diplomatischen Grabenkrieg hat die Bundesregierung am vergangenen Dienstag den Export der Fertigungsunterlagen für eine Demönstrationsanlage zur Urananreicherung und zur Wiederaufbereitung genutzter Brennstäbe genehmigt.

Damit sind die amerikanischen Versuche, den am 27. Juni 1975 in Bonn geschlossenen Vertrag nachträglich zu torpedieren, fehlgeschlagen. Politisch ist dieser Entschluß vor allem ein Signal für die sogenannten "Schwellenländer" im Obergang vom Entwicklungs- zum Industriestaat, die Bonn nicht von der friedlichen Nutzung atomarer Technologie ausgeschlossen sehen möchte.

Vom ökonomischen Gehalt der Bonner Entscheidung kann nun die deutsche Reaktorindustrie profitieren. Ihr eröffnet der größte Exportauftrag, den die deutsche Industrie überhaupt jemals hereinholte, Liefermöglichkeiten von mehr als zehn Milliarden Mark. Mit dem Export von acht Atommeilern nach Brasilien dürfte die Beschäftigung der Kraftwerksbauer trotz des faktischen Baustopps im Inland für absehbare Zeit gesichert sein.

Auch in einem anderen Punkt ist die Bundesregierung hartnäckig geblieben. Wünschen des Auslands nach einer stärkeren Ankurbelung der Weltwirtschaft durch Bonner Maßnahmen ist sie erst jetzt wieder entgegengetreten. Als deutsche Beiträge zur Überwindung der Weltrezession seit 1974 wurden an erster Stelle die vier Konjunkturprogramme der Jahre 1974 und 1975 und die Steuerreform von 1975 genannt, für die rund 35 Milliarden Mark aufgewendet worden seien. Dazu kommen von 1977 an ein mehrjähriges Investitionsprogramm mit rund 16 Milliarden Mark. Ein größeres Volumen hält die Regierung wegen des Zinsniveaus und der Preisentwicklung nicht für realisierbar.

Sie kann sich dabei auch auf namhafte Konjunkturforscher stützen, die in diesem Jahr eine Fortsetzung des Aufschwungs erwarten. Das Prädikat "verhalten" zur Charakterisierung der Wirtschaftsbelebung hielten die Experten des Instituts für Weltwirtschaft aus Kiel für angebracht, während das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München von einem "gedämpften" Aufschwung spricht. Nach Ifo gibt es deutliche Hinweise, daß das Stimmungstief in der Wirtschaft erreicht oder gar durchschritten ist ot