Berliner Fußbeschwerden

Die Berliner CDU, die ebensowenig personelle Alternativen zu bieten hat wie die SPD, versucht jetzt, auf administrativem Wege Chancengleichheit für die Abgeordnetenhauswahlen im Frühjahr 1979 herzustellen. Durch Änderung des Rundfunkgesetzes möchte sie klarstellen, daß die Sendereihe "Wo uns der Schuh drückt" nicht mit der Satzung des Senders Freies Berlin zu vereinbaren ist. Diese wöchentliche Sendung hatte Berlins Regierender Bürgermeister Ernst Reuter in Krisenzeiten eingeführt. Seine Nachfolger haben sie übernommen und auf das Regionalfernsehen ausgedehnt. Die CDU meint, die Sendung, verstoße gegen den Grundsatz, daß der SFB nach seiner Satzung "nicht Werkzeug einer Regierung, einer Gruppe oder einer einzelnen Persönlichkeit sein" darf. Da das Berliner Wahlsystem wesentliche Elemente einer Persönlichkeitswahl enthalte, werde durch diese Sendeform, die es in keinem anderen Bundesland gibt, der Spitzenkandidat der Regierungspartei fortlaufend bevorzugt. Die Schuhdrück-Rede ist, so ein Leserbrief im "Abend", eine "permanente Selbstbestätigung aus dem Munde eines Mannes, der sich vor Fußschmerzen kaum noch halten kann".

Mütter der Kompanie

In der Bundeswehr sind die Frauen auf dem Vormarsch: 47 391 Damen stehen jetzt im Dienst, darunter 2462 Raumpflegerinnen, 30 Ärztinnen, 475 Dolmetscherinnen, 20 Elektrotechnikerinnen, zwei Schweißerinnen. Das Gros freilich stellen die Schreibdamen – im Ministerium, aber auch bei der Truppe. Die Kompaniechefs wechseln, aber die Sekretärinnen bleiben – die neuen "Mütter der Kompanie".

Neue Skandale?

Die amerikanische Flugzeug-Firma Lockheed zittert vor neuen Entdeckungen unsauberer Machenschaften. Auf einer Aktionärsversammlung warnten Sprecher des Konzerns davor, daß eine Voruntersuchung durch US-Bundesgerichtsbehörden "weitere Details über ausländische Zahlungen und Skandale" ans Tageslicht bringen könnten. Diese Enthüllungen könnten "die Aussichten der Firma auf weitere Aufträge ernsthaft gefährden". Wie die Firmenleitung mitteilte, sind ehemalige und jetzige Lockheed-Mitarbeiter unter Strafandrohung zur Aussage bei der Voruntersuchung vorgeladen worden.

Impfungen für die Dritte Welt

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat Pläne entwickelt, nach denen bis 1992 jedes Kind in den Entwicklungsländern geimpft werden soll. Wie der Programm-Manager von WHO, Ralph Henderson, mitteilte, sterben in der Dritten Welt jährlich fünf Millionen Kinder an Masern, Keuchhusten, Kinderlähmung, Tuberkulose oder Diphtherie. Ob das weltweite Impfprogramm verwirklicht werden kann, hängt, wie Henderson meinte, jedoch vom Erfolg der Aufklärungsaktion ab. Selbst in den Industrieländern, so der WHO-Vertreter, wüchse derzeit das Desinteresse an Schutzimpfungen.