Die Tatsache, daß neun Millionen Bundesbürger in einer Hausgemeinschaft mit Pudel, Dackel oder Spitz leben, ließ die Stadtkämmerer in Nordrhein-Westfalen nicht ruhen. Seit Jahren bemüht, steuerliche Quellen zu entdecken, um die finanzielle Ebbe in den Kassen der Kommunen zu beheben, sind sie auf den Hund gekommen, vor allem auf den "schwarz" gehaltenen.

Um diese "Dunkelziffer" zu erfassen, sollen die Grundstückseigentümer an Rhein und Ruhr alle Hundebesitzer, die sich bei ihnen eingenistet haben, dem Steueramt der Stadt melden. In Bochum erhielten die Vermieter einen Brief der Stadt, in dem sie darauf hingewiesen wurden, daß sie nach Paragraph 11, Absatz 5, der zur Zeit geltenden Hundesteuersatzung dazu verpflichtet seien, eine Liste über den Hundebestand in ihrem Anwesen anzufertigen.

Da den Vermietern bei der geforderten "Überprüfung aller im Stadtgebiet gehaltenen Hunde" allzu große Mühsal erspart bleiben sollte, lag dem Anschreiben der Stadt neben einem Freiumschlag gleich ein Formular bei, auf dem die Vermieter "nach bestem Wissen und Gewissen" die Namen der Hundehalter nebst Anschrift binnen einer Zweiwochenfrist eintragen sollten. Die Fahndungsaktion, so bat die Stadt Bochum, sei als ein "Beitrag zur Steuergerechtigkeit anzusehen", denn mit Denunziantentum habe dies gar nichts zu tun.

In diesem Punkt sind die Hausbesitzer anderer Meinung. Obwohl es bei jedem fünften anderer prozeß in der Bundesrepublik um einen Hund geht, wehren sich die Vermieter, Spitzeldienste zu leisten. An vorderster Front der Kritiker marschiert der Bonner Rechtsanwalt und Hausbesitzer Bernd Lange, der die Zeitungen wissen ließ, er wolle sich nicht als "Hilfssheriff des städtischen Steueramtes" mißbrauchen lassen. Die Großfahndung nach "schwarzen Hunden" sei schlicht "verfassungswidrig", so daß er klagen werde.

Nicht ganz so hart ist die Haltung von Werner Streit, dem Vizepräsidenten des Zentralverbandes der Haus- und Grundeigentümer in Essen, einer Stadt, in der die Hundebestandsaufnahme bereits abgelaufen ist. Die einmalige Fahndung nach den "illegalen" Hunden verursachte der Stadt 20 000 Mark Unkosten, bescherte aber im Gegenzug Mehreinnahmen in Höhe von 200 000 Mark, die, nicht tangiert vom Finanzausgleich, ohne Abzug in Essens Kassen flossen.

Werner Streit betrachtet die Suche auch nach dem letzten Hund aus zwei Blickwinkeln. Als Staatsbürger habe er die Gesetze zu achten, gleichzeitig bleibe er aber bestrebt, nicht zum Handlanger des Fiskus zu werden. "Gegen eine Fernsehkontrolle, also eine Fahndung nach Schwarzsehern", so erklärte Werner Streit, "würde ich mich grundsätzlich sträuben."

Während sich in Essen nur ein Mitglied des Haus- und Grundbesitzervereins wegen der Hundeschnüffelei beschwerte, "sonst aber die Rücklaufquote mit 70 Prozent erstaunlich hoch war" (Streit), löste das Vorgehen der städtischen Steuerämter in Bochum, Bonn, Neuss und Köln Kritik und Empörung aus. Die Vermieter fürchten einen Kälteeinbruch im Verhältnis zum Mieter und führen beredet Klage, daß ihnen eine "Büttelfunktion" zudiktiert werden solle.