Der Frankfurter Petersgemeinde ist ein besonderes Kreuz auferlegt worden: ihr Haus wurde besetzt. Nach dem Gottesdienst am vergangenen Sonntag ließ sich eine Gruppe von etwa 60 jungen Leuten nicht dazu bewegen, die Kirche zu verlassen. Statt dessen wurden Spruchbänder entrollt: "Solidarität mit den hungernden politischen Gefangenen." Flugblätter wurden verteilt und Texte verlesen: "Die speziellen Haftbedingungen würden langfristig zum Tode der Gefangenen führen"; die "Isolation" müsse abgeschafft werden, und die Regierung solle die "Morde an Holger Mein, Ulrike Meinhof und Siegfried Hausner aufklären". Erst wenn diese Bedingungen erfüllt seien, könne die Peterskirche wieder freigegeben werden. Und so richteten sie sich mit Schlafsäcken im Gotteshaus an der Bleichstraße häuslich ein.

Gemessen an früheren Aktivitäten für Frankfurter Verhältnisse ein harmloser Vorgang. Das Thema "Gewalt gegen Sachen" ist hier am Main bis zur Erschöpfung durchdiskutiert und durchexerziert. Der besondere Akzent entsteht dadurch, daß es nunmehr die Kirche ist, die erpreßt werden soll. Als eine Grundsatzfrage ist es wohl auch von ihr aus aufgefaßt worden, denn hinter die Ablehnung der Forderung hat sich die evangelische Kirche in Hessen und Nassau, hat sich der Kirchenpräsident mit seiner Autorität gestellt: "Wir verwahren uns gegen die Besetzung eines Kirchengebäudes und halten sie nicht für das geeignete Mittel, Gespräche mit der Kirche zu eröffnen. Wir fordern die Gruppe auf, die Besetzung unverzüglich zu beenden."

Aber niemand kann sagen, wie es weitergehen soll, wenn die Besatzer das Gotteshaus nicht räumen. Private Hausbesitzer haben in solchen Fällen nach der Polizei gerufen. Kann das die Kirche auch? G. Z.