Auf schwankendem Boden bewegen sich alle, die sich in diesen Tagen und Wochen über den mutmaßlichen Anteil der Faulpelze am Millionenheer der Arbeitslosen auslassen – auch die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, (BdA), die die Auswertung einer Fragebogenaktion unter ihren Mitgliedern ventiliert hat.

Nachdem erst vor wenigen Wochen der Herausgeber des unternehmernahen Informationsdienstes "Bonn intern", Rudolf Warnke, öffentlich behauptet hatte, die Mehrzahl der Arbeitslosen sei an einem neuen Arbeitsverhältnis gar nicht interessiert, erweckt nun die BdA einen ganz ähnlichen Eindruck. So etwa, wenn sie von 156 Unternehmen berichtet, die innerhalb eines Monats 2907 Arbeitnehmer neu einstellen wollten und doch letztlich nur 139 der angebotenen Stellen dauerhaft besetzen konnten.

Solche "Statistiken" könnten den Eindruck erwecken, als sei noch nicht einmal jeder zwanzigste Arbeitslose arbeitswillig – ein Eindruck, den sowohl Bundesarbeitsminister Herbert Ehrenberg als auch Helmut Minta, Vizepräsident der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, für falsch halten.

Leider trägt die BdA selbst wenig zur Aufklärung des Sachverhalts bei. Die entscheidende Frage nämlich, ob denn die einzelnen Betriebe die vermeintlich unlustigen Arbeitslosen den Arbeitsämtern namhaft gemacht hätten, war in dem BdA-Fragebogen nicht enthalten. Auf diesen Mut der Unternehmen aber sind die Arbeitsämter, die Beitragszahler und die von allgemeinem Rufmord bedrohten Arbeitslosen angewiesen.

Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr nur rund 60 000 Arbeitslosen sowohl die Arbeitslosenunterstützung als auch die Sozialhilfe gesperrt, weil sie offenkundig gar nicht arbeiten wollten – bei insgesamt 2,3 Millionen, Vermittlungen durch die Arbeitsämter machen sie wenig mehr als zwei Prozent aus.

In der Zeitschrift "praline", deren Leserschaft man wohl mancherlei zumuten kann, hat Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidleeine recht kühne Behauptung aufgestellt: "Das Bundesbahnkonzept der Bundesregierung soll die negative Ertragsentwicklung bei der Bahn nicht nur stoppen, sondern ab 1980 in einen positiven Trend kehren. Die moderne Bahn hat Zukunft."

Offengelassen hat Gscheidle freilich, welches "Konzept" er eigentlich meint – möglicherweise den "Leistungsauftrag" der Bundesregierung an die Bundesbahn, dessen Einzelheiten derzeit noch formuliert werden und der Öffentlichkeit nicht bekannt sind; möglicherweise aber auch jenes von einer Runde Bonner Staatssekretäre erarbeitete "Staatssekretärs-Papier", aus, dem sich so wenig Konzeptionelles herauslesen läßt, daß es die beteiligten Autoren – unter anderem Verkehrs-Staatssekretär Heinz Ruhnau und dessen Wirtschafts-Kollegen Otto Schlecht – gegeneinander aufgebracht hat.