... vom Dockarbeiter bis zum Bankier

Von Michael Massing

London, im April

Der Bierpreis stieg innerhalb eines Jahres um zwanzig Prozent, frisches Gemüse kostet jetzt dreimal soviel wie vor zwölf Monaten – kein Wunder, daß immer mehr Briten damit beginnen, sich die Annehmlichkeiten wie die Notwendigkeiten des täglichen Lebens billiger selbst zu beschaffen. Do-it-yourself ist en vogue auf den britischen Inseln wie nie zuvor; erfinderische Leute entwickeln ständig neue Techniken zum Selbermachen, die zwar oft eine Menge Arbeit, doch nur wenig spezielle Fähigkeiten und Hilfsmittel erfordern, wie das Bierbrauen zum Beispiel oder die Gärtnerei.

Die Bewegung hat im letzten Jahr erheblichen Zulauf bekommen; denn die anhaltende Inflationsrate von 15 Prozent und die Politik der Ausgabenbeschränkung unter der Labourregierung hat die Kaufkraft der Konsumenten arg geschwächt. Und weil die Finanzlage auch in Zukunft nicht rosig sein wird, hat Do-it-yourself in allen Schichten Anhänger gefunden, bei den Dockarbeitern in Liverpool wie bei den Bankiers in der City von London.

Und so wie die Briten mit der Kostenlawine bei Bier und Gemüse fertigzuwerden versuchen, weichen sie auch den astronomischen Zuwachsraten anderer Preise aus. Ausgaben für Möbel und Reparaturen haben schwindelerregende Höhen erklommen. Darum greifen immer mehr Bürger des Königreichs zu Hammer, Schraubenschlüssel und Bohrmaschine, um als Tischler, Elektriker und Klempner tätig zu werden. Weil sich die Benzinpreise ebenso wie die Fahrpreise der öffentlichen Verkehrsmittel mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks erhöhen, entdecken Automobilisten und Zeitkarteninhaber wieder das Vehikel ihrer Kindheitstage, das Fahrrad.

"Eine Automonteurstunde kostet heute fünf bis sechs Pfund, ein Installateur berechnet nur für die Überprüfung einer Waschmaschine den gleichen Preis", erklärt Tony Wilkins, Herausgeber des Do-it-yourself-Magazins, eine der vielen "How to .. ."-Publikationen auf dem Zeitschriftenmarkt. "Die Leute sind nicht nur ihre eigenen Maler und Dekorateure, sie reparieren inzwischen auch ihre Wasch- und Rasenmähmaschinen."