In Afrika wurden mit einem windigen Projekt fünf Millionen Mark vergeudet

Vor einem Jahr noch begeisterte sich der SPD-Abgeordnete Helmut Esters: "Es wäre eine Sünde, da nicht einzusteigen." Tatsächlich gelang dem gewieften Abgeordneten, das Entwicklungsministerium zum Einstieg in ein von Esters so nachdrücklich gefördertes Projekt zu gewinnen. Egon Bahr, damals noch Minister in dem heute von Marie Schlei recht und schlecht verwalteten Ressort, entschied, den Einsatz von Prall-Luftschiffen für Transportzwecke in Entwicklungsländern zu probieren. Frohlockend sprach SPD-Mann Esters vom "sichersten Hühnchen, das wir je beschlossen haben".

Das Hühnchen, das auch im deutschen Blätterwald gehätschelt und getätschelt wurde, legte indes nur ein einziges Ei – und das erwies sich auch noch als faul. Dafür ist es allerdings auch doppelt so teuer geworden, wie zunächst veranschlagt worden ist. Statt der ursprünglichen 2,5 Millionen Mark, die für den Test mit einem Flugschiff im mittleren Afrika bewilligt worden waren, mußte das Entwicklungsministerium für das luftige Unternehmen 5 036 779 Mark – bezahlen.

Das Ministerium rechtfertigt dennoch seine Pionier-Tat damit, daß der Gedanke, die Billig-Technologie des Luftschiffes für Lastenzwecke in den verkehrsmäßig wenig erschlossenen Entwicklungsländern zu nutzen, keineswegs abwegig gewesen sei. Immerhin experimentieren auch andere Industrieländer auf dem gleichen Sektor.

Gleichwohl war die Eile mit der das Versuchsprojekt 1976 in Szene gesetzt wurde, überflüssig und hat die Kosten nur unnötig in die Höhe getrieben. Daß in der Versuchsperiode auf dem schwarzen Kontinent die Regenzeit herrschte, so daß das gesamte Versuchsmaterial per Flugzeug herangeschafft und auch die Testzeit verlängert werden mußte, hätte den Afrika-Experten des Ministeriums eigentlich bekannt sein müssen.

Inzwischen stellte sich auch heraus, daß der Einsatz von Transportluftschiffen in den Ländern Ghana, Obervolta, Mali, Sudan und Zaire unwirtschaftlich wäre. Eine genaue Analyse der Versuche nennt die Ursache: "Sie liegt in erster Linie in den hohen Transportkosten, die aus geringen Geschwindigkeiten und der geringen Nutzlast resultieren."

Es hätte wohl nicht dieses Fünf-Millionen-Versuchs bedurft, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Die Erkenntnisse hätten sich schneller und billiger in Köln beschaffen lassen. Noch ehe Bonn über die Testversuche entschieden hatte, beurteilte Klaus Ardey von der Lufthansa-Abteilung Technische Objekte", das Projekt des mit MdB Helmut Esters befreundeten Luftschiffbauers Theodor Wüllenkemper recht skeptisch. Ardey im April 1976 gegenüber der ZEIT: "Man muß der Utopie vorbeugen, daß es kostengünstiger sein könnte." Wolfgang Hoffmann