Schachspielende Automaten wie der, gegen den mein Kollege Wolfram Runkel gespielt hat, sind fraglos unwichtige Gegenstände. Aber das Schachprogramm, das dem Mikrocomputer Kim I mit Hilfe einer Tonbandkassette eingespeist worden war, hatte auch nur den Zweck, schachbegeisterten Journalisten Eindruck zu machen, ihnen zu zeigen, daß man heute schon für 749 Mark einen regelrechten Computer kaufen kann – zu dem man freilich noch einen ganz gewöhnlichen Kassettenrecorder und ein simples Netzteil benötigt –, einen Computer, der all das tun kann, was seine großen Brüder in Kontoren, in wissenschaftlichen Instituten oder technischen Büros leisten. Und wie die Großen kann man dieses Billiggerät für allerlei Spiele programmieren, dank seiner relativ großen Speicherfähigkeit sogar für Schach.

Immer mehr Mikrocomputer tauchen auf dem Markt auf, sogar schon als Bausätze für Leute, die sich die Errungenschaften der Mikroprozessor-Technik selbst zusammenbasteln möchten. Kim I ist wahrscheinlich das preiswerteste Fertigsystem, das allerdings – im Gegensatz etwa zu den erstaunlich leistungsfähigen, programmierbaren Taschenrechnern, die man auch schon mit Fug und Recht Computer nennen darf – vom Benutzer verlangt, daß er sich mit einer komplizierten Art der Programmierung vertraut macht.

Das ist kein Handikap, denn gedacht ist dieses auf einer Platine schmucklos montierte elektronische Wunder vor allem als Demonstrationsobjekt für industrielle Entwickler, die daran praktisch erproben können, was die vom Commodore-MOSTECHNOLOGY entwickelten Mikroprozessoren zu leisten imstande sind. Gedacht ist Kim I auch für Studenten, die sich mit der Computertechnologie vertraut machen möchten, und für Computer-Narren, die sich nicht scheuen, eine komplizierte Programmiertechnik zu erlernen.

Das System aber ist auch ausbaufähig, man kann es zu sehr viel "klügeren" Computern erweitern, die am Bildschirm oder mit einem Drucker ihre Daten ausgeben und die, mit dem nötigen Vorsatz versehen, sogar in einem einfach zu begreifenden, weil fast unserer Umgangssprache entsprechenden Jargon zu programmieren sind. Das wird dann natürlich entsprechend teurer sein, aber – so die Versicherung des Distributors, der Firma Neumüller in München – erschwinglich soll es bleiben, so daß der Heimcomputer jetzt in Reichweite ist, der Apparat, der sich alles, was man braucht, Adressen zum Beispiel, Telephonnummern, Geburtstage oder Kontostand merkt, der Kochrezepte ausspuckt, den Kindern bei den Schularbeiten hilft und ihnen wie ihren Eltern ein stets williger Spielgefährte ist.

Kim I plus Ausbaustufen ist nur eines von vielen Systemen, die die Raumfahrtzeitalter-Technologie in die Familien bringen und endlich auch den Schulen der ärmeren Gemeinden die Möglichkeit geben sollen, der Generation, die mit dem Computer leben wird wie wir mit der Waschmaschine, den Umgang mit dem neuen Gefährten beizubringen.

Thomas v. Randow