Der syrische Präsident, Hafez el Assad, den Kissinger einmal den "interessantesten Mann im Nahen Osten" genannt hat, will in Moskau die Friedenssuche beschleunigen. Außerdem soll das sowjetisch-syrische Verhältnis "entstört" werden.

Zu Mißstimmigkeiten, die fast zum Bruch geführt hätten, war es im letzten Jahr gekommen, als Assad, der "Löwe", gegen Moskaus Willen aktiv in den libanesischen Bürgerkrieg eingriff und die mit den Palästinensern verbündeten Linksmilizen zur Kapitulation zwang. Syrien, das zwar einen Freundschaftspakt mit dem Kreml nach ägyptischem Muster ablehnte, von den Sowjets indessen aufgerüstet und damit von ihnen abhängig war, hatte sich gleichzeitig der amerikanischen Nahostpolitik angenähert. Zu dieser realistischen Kursschwankung der Damaszener gehört auch, daß Außenminister Khaddam von Moskau aus nach Washington fliegen und Assad im Mai in London mit Präsident Carter zusammentreffen wird.

Außer seiner Verteidigung des syrischen Libanon-Engagements gegenüber den sowjetischen Kritikern ging es Assad um die Klärung der Palästinafrage:

  • In welcher Form soll Arafats, PLO an der zweiten Runde der Genfer Friedenskonferenz beteiligt werden?
  • Auf welchem Gebiet und unter welchen formalen Voraussetzungen (Föderation mit Jordanien) soll ein Palästina-Staat geschaffen werden?

Assad, der nach Arafat in Moskau verhandelte, drängt die Palästinenser zu einer flexiblen Haltung, was auch sowjetischem Interesse entspricht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß in die jüngsten lokalen Konflikte zwischen, christlichen und palästinensischen Verbänden im Süden des Libanon syrisch kontrollierte Freischärlereinheiten auf Seiten der Milizen Arafats eingegriffen haben.

Zum Auftakt des Assad-Besuches in Moskau wurden zwei weitere bedeutsame Positionsänderungen bekannt: Moskau und Jerusalem wollen die diplomatischen Beziehungen wiederaufnehmen. Der israelische Außenminister Allon gab einer dauerhaften Lösung des Palästina-Problems erstmals den gleichen Rang wie der Zusicherung verteidigungsfähiger Grenzen für Israel. D. St.