Eintracht zwischen Unternehmerverbänden und Gewerkschaften: In seiner ideologisierten Form hat der Wettbewerb als Lenkungsmittel der Wirtschaftspolitik versagt.

Herbert W. Köhler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie:

  • Ihre Absage an die Ideologisierung neoliberaler Ideen hat offenbar bei den Gewerkschaften Beifall gefunden. Fühlen Sie sich wohl dabei? Köhler: Ich finde nichts Diskriminierendes daran, daß ein Ergebnis meiner Erfahrungen den Beifall der Gewerkschaften findet.

Wollte mich allerdings jemand als Kronzeuge dafür in Anspruch nehmen, daß die Globalsteuerung durch eine branchenorientierte Politik einschließlich Investitionslenkung ersetzt werden soll, wäre er auf dem Holzwege.

  • Welche Rolle geben Sie dem Wettbewerb?

Köhler: Im Normalzustand der Wirtschaft sorgt der funktionierende Marktmechanismus noch immer am besten dafür, daß in einem ständigen Strukturanpassungsprozeß die Arbeitskräfte zu den produktiveren Arbeitsplätzen wandern.

Es gibt aber auch Ausnahmesituationen. So wird zum Beispiel gewöhnlich übersehen oder .verdrängt, daß die deutsche gesetzliche Kurzarbeiterregelung für maximal zwei Jahre andere, wenn nicht gegensätzliche Prioritäten setzt. Auch im Rahmen des Krisenprogramms der europäischen Kommission für die Stahlindustrie ist es zu einem solchen vorübergehenden Wechsel der Prioritäten gekommen. Meines Erachtens bedarf es auch für solche Ausnahmezustände einer ordnungspolitischen Einbettung in die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft.