Im Alter von siebenundsiebzig Jahren ist in seinem Haus in der Normandie Jacques Prévert an Lungenkrebs gestorben. Der Sohn eines Pariser Magistratsbeamten ist in dem Vorort Neuilly-sur-Seine aufgewachsen. Dem für das Volksleben der französischen Hauptstadt damals typischen kleinbürgerlichen Milieu ist Prévert stets treu geblieben. Er war einer der wenigen Dichter, dessen Verse, ob gelesen oder von Yves Montand, Juliette Gréco, Charles Trenet, Jacques Brei oder den „Frères Jacques“ gesungen, wirklich populär geworden sind. Der Freund von Breton, Artaud, Aragon, Leiris, Queneau und Duhamel übertrug stilistische Techniken des Surrealismus, vom überraschenden Paradox bis zum Wortspiel, ins Chanson. Nachdem er mit Theaterstücken wenig Erfolg hatte, schrieb er Drehbücher für Jean Renoir und Marcel Carné. Einige Klassiker der Filmgeschichte sind mit seinem Namen verbunden: „Quai des Brumes“, „Les Visiteurs du Soir“, „Les Enfants du Paradis“, „Une Partie de Campagne“. Die Mischung aus Gesellschaftskritik, Witz und Sentimentalität sicherte ihm Leser aus allen Kreisen des französischen Volkes: Seine „Paroles“ (1946) sind in der für einen Gedichtband sensationellen Auflage von über einer halben Million verbreitet. In Deutschland hatte Prévert das Glück, einen Übersetzer zu finden, der mit ähnlicher Leichtigkeit Nachdichtungen schuf: Kurt Kusenberg. Im Vorwort zur zweisprachigen Ausgabe („Gedichte und Chansons“, Rowohlt, 1962) verfällt Kusenberg in den Prevert-Ton zur Charakterisierung dieses Dichters: „Er ist ein Bänkelsänger ein Kabarettist ein Moritäter/ein Rattenfänger ein Moralist ein Attentäter/wie sein Ahne François Villon/er dichtet für den Tag/und für die Stunde/er ist in aller Munde.“ Rolf Michaelis

Sanguine

La fermeture éclair a glisse sur tes reins

et tout l’orage heureux de ton Corps amoureux au beau milieu de l’ombre

a eclate soudain

Et ta robe en tombant sur le parquet cire

n’a pas fait plus de bruit