Juan Carlos I. hat die Weichen für eine demokratische Monarchie gestellt

Von Carsten R. Moser

Madrid, im April

Der Besuch des spanischen Königspaares Juan Carlos I. und Sofia, das am Dienstag in der Bundesrepublik eintraf, wird aus Madrider Sicht als der krönende Abschluß der Bemühungen betrachtet, die Beziehungen beider Länder nach der Franco-Ära auch offiziell zu normalisieren. Zwar waren die Nachkriegsjahre weder durch starke Spannungen noch durch ernsthafte Krisen gekennzeichnet, vielmehr durch einen stetigen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und den kontinuierlichen Anstieg der Zahl deutscher Urlauber im sonnigen Spanien und spanischer Gastarbeiter in der Bundesrepublik. Der Franquismus blieb jedoch ein unüberwindbares Hindernis, das ein Näherrücken beider Regierungen auf politischer Ebene verhinderte.

Seit Juan Carlos im November 1975, nach dem Tod des Diktators, sein schweres Amt antrat, hat sich das Bild geändert. Bundespräsident Scheel ehrte den König mit seiner Teilnahme an den Feierlichkeiten zur Thronbesteigung und löste damit eine Lawine von deutschen Besuchern aus. Während sich die anderen Regierungen Europas darauf beschränkten, die Entwicklung im iberischen Königreich teils mit Hoffnung, teils mit Sorge, fast immer jedoch aus der Ferne zu beobachten, waren deutsche Politiker, Industrielle und Gewerkschaftler reisefreudiger. Die westdeutsche Prominenz versäumte selten eine Gelegenheit, Juan Carlos in einem persönlichen Gespräch näher kennen- und schätzenzulernen.

Das sympathisch-bescheidene und zugleich bestimmte Auftreten hat dem König Freunde und Bewunderer in allen politischen Lagern Spaniens eingebracht. Dabei kam ihm zugute, daß ihm Starallüren ebenso fremd sind wie reservierte Distanz. Im Gegenteil – die Reisen des spanischen Königspaares verliefen draußen wie drinnen nach dem Motto: "Sie kamen, sahen und siegten." Spontan, herzlich, humorvoll und ohne die Verkrampfung, die das alte höfische Zeremoniell der Madrider Monarchen so unerträglich gemacht hatten, wuchsen König und Königin in eine Rolle hinein, die ihnen keiner zugetraut hatte: Garanten des friedlichen Übergangs von der Diktatur zur Demokratie zu sein.

Als geschickter und taktvoller Drahtzieher hinter den Kulissen verstand Juan Carlos überdies, dem Demokratisierungsprozeß zum richtigen Zeitpunkt die nötigen Impulse zu geben, ohne das Institut der Monarchie in den Strudel der Auseinandersetzungen zu stürzen. Fast alle hatten die Entschlossenheit und Geschicklichkeit des Königs unterschätzt.