Am 25. März veröffentlichte die rechtsradikale Deutsche National-Zeitung unter der Überschrift "Vereint gegen das Unrecht" einen Aufsatz, unter dem die Namen; Leszek Kolakowski und Adam Michnik standen. Es hieß darin: "Wir möchten im Namen des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter allen unseren Freunden in der Bundesrepublik unseren heißen Dank aussprechen für ihre moralische und finanzielle Hilfe..." Als besondere Adressaten dieses Dankes werden genannt: der Sender Freies Europa, die Deutsche National-Zeitung und die Organisationen der Heimatvertriebenen. Da soll also Leszek Kolakowski, der weltweit geachtete polnische Philosoph, die Soldatenzeitung, wie sie früher hieß, gepriesen haben und die Landsmannschaften, die doch der Schrecken aller Polen sind?

Am 11. April war dann in einem Leserbrief der beiden an den Spiegel zu lesen, daß es sich bei dem Text um eine "totale Fälschung" handelt. Sie beruht auf einer Pressekonferenz, die Kolakowski und Michnik am 16. März in Köln gegeben haben, bei der sie jenen Bundesbürgern dankten, "die jahrelang um die Anerkennung der polnischen Westgrenze, um eine Normalisierung der deutsch-polnischen Beziehungen gekämpft und neuerdings ihre Stimme für die Respektierung der Menschenrechte in Polen erhoben haben". Bei diesem Passus hatten sie offensichtlich Heinrich Böll im Sinn und dessen Hilfsaktion, aber gewiß nicht die Deutsche National-Zeitung.

Cui bono – wem nutzen solche Fälschungen? Man muß sich andere vergegenwärtigen, um diese Frage beantworten zu können: Im Herbst 1976 erhielten, verschiedene Personen in Polen zwei Erklärungen zugeschickt, die angeblich vom "Komitte zur Verteidigung der Arbeiter" stammten und die als Samisdat getarnt waren. Desgleichen zirkulierte ein gefälschter Brief, der behauptete, der angesehene Ökonom, Professor Edward Lipinski, habe 3000 Dollar unterschlagen, die für das Komitee bestimmt gewesen seien. An derlei Fälschungen kann nur einer Vergnügen finden – der polnische Staatssicherheitsdienst. Dff.