Ein wilder Streik von 4000 Mechanikern stürzt British Airways ins Chaos

In zehn Jahren, so träumte Sir Frank McFadzean kürzlich in einem Interview, wird British Airways größer, besser, pünktlicher sein – und Gewinn machen. Doch wichtiger ist für den Chef der Luftverkehrsgesellschaft jetzt, was in den nächsten zehn Tagen passiert. Ein Streik von 4000 Mechanikern von British Airways auf dem Londoner Flughafen Heathrow hat den Flugbetrieb der Staatslinie in ein Chaos gestürzt.

British Airways hat sich im vergangenen Jahr aus der Verlustzone emporgearbeitet. Das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr brachte einen Gewinn von annähernd 120 Millionen Mark. Allein in den ersten zwei Wochen seit dem Beginn des Arbeitskampfes, bei dem es vordergründig um höhere Schichtzulage geht, hat British Airways über 1700 Flüge abgesagt und Einnahmen von mehr als 130 Millionen Mark verloren.

Fast eine Milliarde Mark wollte das Unternehmen im laufenden Jahr für neue Flugzeuge und andere Projekte ausgeben. Davon wollte die Gesellschaft 697 Millionen Mark selbst verdienen. Der Rest sollte der Alleinaktionär, nämlich die britische Regierung, beisteuern. Daß der Staat aufhören soll, die Rolle des jederzeit willigen Finanziers seiner Unternehmen zu spielen, entspricht ganz der Philosophie des ehemaligen Chefs der britischen Shell-Gruppe, der, vom Ölkonzern mit 60 pensioniert, vor einem Jahr den Vorsitz von British Airways übernahm.

Der agile und robuste Schotte, der in Glasgow und London Ökonomie studiert und in Großbritannien und in Malaysia Erfahrung im Staatsapparat gesammelt hat, bevor er ins Ölgeschäft ging, übernahm den Pilotensitz bei British Airways mit dem Ziel, das Unternehmen schnell profitabel und damit weniger abhängig von den Interventionen der Regierung zu machen.

Die Fusion von British European und British Overseas war zwar vollzogen, aber die notwendigen organisatorischen Änderungen waren noch zu beschließen. McFadzean ergriff die Gelegenheit, sich auch noch auf den Sitz des Kopiloten zu schwingen. Die Position des Chairman reichte ihm nicht, er übernahm auch das Amt des Chief executive. In grober Vereinfachung bedeutet das soviel wie die Vereinigung der Ämter des Aufsichtsratsvorsitzenden und des Vorstandsvorsitzenden.

Der ruhelose McFadzean ("Ich bin kein guter Urlauber. Ich bekomme nach vier Tagen schlechte Laune.") stieß bei der Luftverkehrsgesellschaft sehr schnell auf die wunden Punkte: personelle Überbesetzung, kopflastiges Management, eine verwirrende Gewerkschaftsstruktur mit sechzehn Einzelgewerkschaften, Probleme der Arbeitsbeziehungen und Mangel an Gewinnstreben.