Filmtips

Beachtlich

"Mensch Biermann!" von Heiner Herde und Carsten Krüger. Ursprünglich sollte es nur eine Fernsehdokumentation über Biermanns Gastspiel in der Bundesrepublik werden, doch nach der Ausbürgerung des Liedermachers lud Biermann selber die beiden Autoren ein, weiter zu drehen: die erste Pressekonferenz in Köln ebenso wie die vor Wallraffs Wohnung lungernden Boulevard-Reporter, bei deren Anblick sich Biermann an den Stasi erinnert fühlte, aber auch die Konzerte und jene Momente der Reflexion, in denen der Exilierte seine neue Situation zu definieren versucht. Ohne Kommentar, mit einer über weite Strecken sehr ruhigen Kamera, die sich der üblichen Fernsehhektik enthält, protokollieren Herde und Krüger die ersten Wochen von Biermanns Exil: ein angenehmer, bescheidener Film mit vielen Liedern, darunter auch dem "Memphis-Fan-Club-Blues", dessen Refrain aus den Autonummern von Biermanns Stasi-Schatten in der DDR besteht.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

"Der Schatten, der uns verfolgte" von Serge Leroy. Jean-Louis Trintignant in der Rolle des Sensiblen, etwas Verklemmten, aber trotzdem Unerschrockenen – eine Rolle, die er zu oft schon in der gleichen Manieriertheit spielte. Hier wird er von dem geistesgestörten Ex-Liebhaber (Bernhard Fresson) seiner Frau verfolgt. Gemeinsam mit seinem kleinen Stiefsohn muß er Autojagden und Axtangriffe überstehen. Spätestens auf halber Strecke weicht die bis dahin anhaltende freundliche Spannung der schieren Langeweile; man kennt die Hintergründe, besser in Szene gesetzte Autojagden gab es auch schon, und die schöne Mireille Darc allein kann den Film nicht retten. Ein paar amüsante Dialoge gibt es zwischen Vater und Sohn, aber das reicht nicht aus, um diesen laut Werbung "perfekten Psychoterror- und Kriminal-Schocker" 90 Minuten lang aufregend zu finden. Manuela Reichart

Ärgerlich

"Der Unerbittliche" von James Fargo. Bereits zum drittenmal sorgt Clint Eastwood als Inspektor Harry Callahan ("Dirty Harry", "Callahan") in San Francisco für Recht und Ordnung. Mit einer überdimensionalen 44er Magnum-Pistole und auch schon mal mit der Panzerfaust macht er Verhaftungen überflüssig: als selbsternannter Richter und Henker – Originaltitel: "Der Vollstrecker" – überzeugt er im Alleingang Politiker und Verwaltung davon, daß ein "kurzer Prozeß" immer effektiver ist als ein demokratischer. Die beiden ersten Filme der Serie waren immerhin noch diskutable Versuche, sich mit den Problemen der Polizei auseinanderzusetzen. "Der Unerbittliche" plädiert nur noch für den geraden Weg in den Faschismus. Bildlich auf Knien dankt am Ende der Oberbürgermeister dem starken Mann Eastwood, der als charismatische Führergestalt gesellschaftliche Gegensätze versöhnt: Selbst schwarze Separatisten und emanzipationsbewußte Frauen bestätigen die Ideologie von der allumfassenden Sammelbewegung. Für Andersdenkende bleibt im Film nur Hohn, Wenn es überhaupt "jugendgefährdende" Filme gibt, dann ist "Der Unerbittliche" ein Musterexemplar. Bodo Fründt

Filmtips

"Frauenstation" von Rolf Thiele. Für den einstigen "Cheferotiker" des deutschen Films ist "der Gynäkologe zum Gewissen der Frauen" geworden, "vielleicht auch zum Gewissen der Nation". Diverse Probleme plagen das Gewissen seiner Gynäkologen: den Oberarzt (Horst Buchholz) enerviert sein exzentrisches Kindweib (Lillian Müller), der Chefarzt (Stephen Boyd) hat einen Schuldkomplex. Beim Versuch, "das Milieu der Gynäkologen weitgehend zu entgynäkologisieren" (!), hat Thiele das Thema Abtreibung (nach einem Arzt-Bestseller von Marie-Louise Fischer) weitestgehend vermurkst zum mondänen Mediziner-Melodram. Aber ihm wie dem Produzenten Hans Pflüger (Cinema 77) ging es wohl weniger um Gewissensfragen als um Gewinnaussichten: "Frauenstation" ist ein sogenannter Abschreibungsfilm, steuerlich begünstigt. Ein Abschreibungsfilm allerdings, der auch dem abgebrühtesten Zuschauer den Kinobesuch abgewöhnen kann. Helmut W. Banz

"Adolf und Marlene" von Ulli Lommel. Weniger eine Satire auf Adolf H. und seine Träume von Marlene D. als ein erschreckendes Dokument des unaufhaltsamen Abstiegs des Filmemachers Ulli L., der zuletzt den "Zweiten Frühling" mit Curd Jürgens verbrach. Diesmal also Frühling für Hitler, mit Kurt Raab als Teppichbeißer, Tortenfresser und Musikliebhaber, der mit seinem Kammerdiener Schiffeversenken spielt und die völlig indisponierte Margit Carstensen als Marlene heim ins Reich holen will. Angeblich erwägt Marlene Dietrich gerichtliche Schritte gegen den Film, doch der Aufwand würde sich nicht lohnen. Die krude Reihung überwiegend debiler Pennälerscherze sollte man schnellstens vergessen, nicht zuletzt Lommel zuliebe, der als Schauspieler ja durchaus seine Meriten hat. In diesem schlimmen Werk überzeugt nur einer: Armin Maier, der mit dem stoischen Gleichmut eines Buster Keaton auch die gröbsten Peinlichkeiten übersteht.

Hans C. Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

"Rocky"’ von John G. Avildsen. "Chinesisches Roulette" von Rainer Werner Fassbinder. "Lagado" von Werner Nekes. "Schwarzer Engel" und "Carrie" von Brian De Palma. "Mahler" von Ken Russell. "The Stranger" von Orson Welles.