Für die bundesdeutschen Campingplätze ist die Sommersaison schon gelaufen. Am Ende des Jahres wird sich erneut für die gesamte Bundesrepublik ein deutliches Plus ergeben (1976: 17 Prozent). Freilich: Wohin mit all den Campern?

Viele der von der amtlichen Statistik erfaßten 1272 deutschen Campingplätze sowie der gegenwärtig vom Deutschen Camping Club (DCC) zusätzlich registrierten 734 Plätze können in der Hauptreisezeit den Ansturm der Campingtouristen nicht mehr bewältigen. Vor allem die Plätze an Nord- und Ostsee, an Rhein, Neckar und Main, am Bodensee und an den oberbayerischen Seen werden wieder, wie schon in den letzten Jahren, zwischen Ende Juni und Mitte August an vielen Tagen bereits am frühen Nachmittag die Einlaßtore schließen müssen. Sobald die maximale Belegungszahl, die sich aus den Quadratmetern Stellfläche pro Einheit (Zelt oder Wohnwagen, Pkw und Familie) und nach den vorhandenen Sanitäreinrichtungen errechnet, erreicht ist, macht die Platzverwaltung "dicht". Zustände wie auf den überfüllten Plätzen in Mittelmeerländern, wo sich oft selbst auf Zufahrtswegen die Zeltschnüre kreuzen und die Toiletten überlaufen, werden bei uns nicht mehr geduldet. Im Vorjahr mußte sogar die Autofahrer-Service-Welle "Bayern 3" eingreifen, um die zwischen gesperrten Zeltplätzen hin- und herpendelnden Urlauber zu noch aufnahmefähigen Camps zu dirigieren. In Großbritannien verhindern häufig schon an den Hauptstraßen Schilder, daß Camper vergeblich zu abseits gelegenen, aber ausgebuchten Campingplätzen abzweigen: solche Hinweise wären auch in der Bundesrepublik nützlich.

Die Hälfte der rund zehn Millionen bundesdeutschen Camper wird dieses Jahr ihre Ferien wieder auf ausländischen Plätzen verbringen, obwohl die deutschen Freiluftzentren nach einer Preiserhöhung von bescheidenen sechs Prozent meist billiger sind als die Konkurrenz jenseits der Schlagbäume. Der DCC meint, nicht die Sehnsucht nach Sonne vertreibe die deutschen Camper ins Ausland, sondern vor allem die mangelnde Aufnahmekapazität der landeseigenen Camps. Die rund 2000 Plätze in der Bundesrepublik (zum Vergleich: Frankreich 4100, Großbritannien 4300) reichen schon deswegen nicht zur Aufnahme der Sommerurlauber aus, weil sie auch als Stätten der Naherholung eine wichtige Funktion zu erfüllen haben, die von Jahr zu Jahr weiter an Bedeutung zunimmt: So stieg von 1972 bis 1976 die Zahl der Touristen-Übernachtungen auf den deutschen Camps von 14,2 auf 26,5 Millionen oder um 46,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich aber die Zahl der Übernachtungen von "Dauercampern" im Rahmen der Naherholung von 9,4 auf 19,4 Millionen oder um 51,5 Prozent: Und während etwa 1974 das Verhältnis der Übernachtungen von Touristen zu Dauercampern noch 62,9 37 Prozent betrug, hatte es sich 1976 auf 57,7 zu 42,2 Prozent verschoben.

Überfüllte deutsche Camps sind deswegen nicht mehr länger ein Problem, das nur den Fremdenverkehr angeht. Hier sollten sich die Ritter im Bereich der Naherholung angesprochen fühlen. Denn Dauercamping läßt sich nicht einfach verbieten. Im Gegenteil, viele Gesichtspunkte sprechen für diese preiswerte Erholungsform: Menschen, die sich am Wochenende auf Campingplätzen erholen, "verbrauchen" weniger Landschaft als Besitzer von Wochenendhäusern und Zweitwohnungen. Dauercamper verschwenden auch weniger Energie als Ausflügler auf Spritztouren, und was sie konsumieren, schlägt sich häufig positiv in den Haushalten der Gemeinden nieder.

Nach einem neuen Fünf-Jahres-Plan des Deutschen Camping Clubs soll die Zahl der deutschen Campingplätze von jetzt 2000 auf 4000 verdoppelt werden. Auf Plätzen in landschaftlich schönen Gegenden plant man dabei für Urlauber jeweils einen höheren Stellflächenanteil, während Naherholungscamps zusätzlich mit Sport- und Spieleinrichtungen ausgestattet werden sollen.

Warum trotz jährlich wachsendem touristischen Bedarf und trotz der Nachfrage nach Dauerstellplätzen nicht von selbst mehr neue Camps entstehen, erklärt der DCC vor allem mit der "Campingfeindlichkeit vieler Behörden". Privaten Investoren würden von Amts wegen so viele kostentreibende Auflagen gemacht, heißt es in München, daß sie ihr Geld lieber in andere Projekte stecken.

In ihrem Campingangebot, so scheint es, bleibt die Bundesrepublik noch auf Jahre hinter den Nachbarländern zurück. Daran ändern auch musterhafte Modell-Camps, wie sie laufend entstehen, ebensowenig wie die Verleihung von Campingpreisen, mit denen der DCC bei seinen alljährlichen Ehrungen von Ministern hofft, für sein Anliegen Stimmung machen zu können.

Jakob Vollmer