Ausgerechnet in einem Landstrich, der von den Widrigkeiten moderner Zivilisation weitgehend verschont geblieben ist, in Nordkarelien, einer hauptsächlich ländlichen finnischen Provinz ohne nennenswerte Industrie, wo das Leben noch "gesund" ist, wo die Menschen zu 70 Prozent der Land- und Forstarbeit nachgehen, sich also frei vom Großstadtstreß viel in sauberer Luft bewegen, ausgerechnet dort erkrankten prozentual mehr Männer am Herzinfarkt als irgendwo sonst in der Welt. Vielen Theoretikern, die nur allzu gerne die koronaren Krankheiten als Folgen körperlichen Bewegungsmangels, jedoch geistiger Hektik in modernen Betonwüsten zu erklären versuchten, war diese schlechte Statistik aus dem Osten Finnlands ein wahres Ärgernis.

Es besteht nicht mehr. Denn die Nordkarelier haben in einer Gemeinschaftsaktion staatlicher und privater Organisationen die Herzinfarktquote bei männlichen Einwohnern um vierzig Prozent gesenkt.

Das erfolgreiche Fünfjahresprogramm: Nachdem Wissenschaftler der Universität Kuopio mit Hilfe der Weltgesundheitsorganisation ermittelt hatten, daß die Nordkarelier

  • starke Raucher sind,
  • einen hohen Cholesterinanteil im Blut haben und
  • häufig unter hohem Blutdruck leiden, arbeitete eine fünfzehnköpfige Arbeitsgruppe eine Strategie aus, die erreichen sollte, daß die Bewohner der Provinz
  • weniger als früher rauchen,
  • statt der in großen Mengen konsumierten Vollmilch entrahmte Milch zu sich nehmen,
  • die dort besonders gern dick aufs Brot gestrichene Butter durch Margarine ersetzen,
  • statt der nicht minder beliebten Bratwürste möglichst solche verzehren, die zu 25 Prozent statt des gewöhnlich in Würsten verwendeten fetten Fleischs eine aus Pilzen gewonnene Masse enthalten,
  • häufiger als bisher Gemüse und Salate verzehren.

Verwirklicht wurde dies in einer von den Schulen, Volkshochschulen, Gewerkschaften und der Presse kräftig unterstützten Aufklärungskampagne mit Unterstützung der örtlichen Milch- und Fleischindustrie und mit Hilfe der Behörden, die zum Beispiel das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln untersagten.

Der Erfolg: Entrahmte Milch, die anfangs nur von 17 Prozent der Milchkonsumenten gekauft wurde, wird jetzt von 56 Prozent dieser Käufer verlangt. Haushalte, die früher ihren Fettbedarf zu 86 Prozent mit Butter deckten, verwenden jetzt nur noch zu 69 Prozent Butter. Die Quote der Raucher fiel von 54 Prozent der männlichen Bewohner auf 44 Prozent.

Die Herzinfarktrate sank um 40 Prozent, und der seit dreißig Jahren beobachtete Anstieg der anderen Herz- und Kreislaufkrankheiten wurde zum Stillstand gebracht.