Es hat eine Menge Diskussionen gegeben, bevor das alte, etwas hochmütige Motto "Schweden den Schweden" abgelöst wurde durch den neuen Satz: "Willkommen in Schweden!" Besucher aus anderen Ländern, auch aus Deutschland, sind inzwischen in Schweden als Urlauber nicht mehr nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht. Ursache dieses Sinneswandels sind natürlich hier, wie anderswo auch, weniger altruistische Motive als handfeste wirtschaftliche Interessen. Der Tourismus wird als mögliches Korrektiv betrachtet für die Schwierigkeiten der schwedischen Industrie. Optimismus auf Seiten der schwedischen Touristikbüros ist durchaus berechtigt, denn der Besucherstrom war in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Wie populär Schweden in der nächsten Zeit werden wird, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung der Preise ab. Schweden ist als teures Urlaubsland bekannt, obwohl sich die Preise zwischen der Bundesrepublik und Schweden mittlerweile angeglichen haben. Teurer sind in der Regel die Unterkünfte und die Verpflegung. Reist man dagegen mit Wohnwagen oder Zelt und verpflegt sich selber, ist Schweden durchaus erschwinglich. Da in vielen Hotels Kinder im Zimmer der Eltern kostenlos beherbergt werden (in der Ramada-Hotelkette sogar bis zu einem Alter von achtzehn Jahren) und die Benutzung hoteleigener Boote, der Sauna und anderer Einrichtungen meist nichts kostet, gleicht das die hohen Hotelkosten (durchschnittlich etwa 50 bis 100 Mark für ein Doppelzimmer) wieder aus.

Möglichkeiten, geruhsamen und dennoch, aktiven Urlaub zu machen, gibt es viele. Das uralte, ungeschriebene "Jedermannsrecht" gestattet es jedem, sich in den scheinbar unendlichen weiten Wäldern und auf den unzähligen großen und kleinen Seen frei zu bewegen, zu wandern und zu schwimmen, zu angeln, Pilze und Beeren zu suchen. In vielen kleinen Städten und Dörfern gibt es Glashütten, Zuckerstangenkochereien und Museen, wie beispielsweise in Gränna am Vätternsee das Andree-Museum; darin sind die Ausrüstungsgegenstände und Photos des Ballonfahrers S. A. Andree und seiner Begleiter gesammelt, die 1897 im Polareis umgekommen sind. Selbstverständlich gehört das Streichholzmuseum in Jönköping auf die Besichtigungsliste; dort gibt es auch noch den Riesen Vist, eine elf Meter hohe, aus 150 Jahre altem, knochentrockenem bunten Bauholz zusammengesetzte Skulptur.

So reizvoll es ist, auf gut Glück loszufahren, so hat es sicher auch seine Vorteile, mit einem der Reiseveranstalter zu fahren. Jedenfalls weiß man dann, daß man noch einen Platz auf der Fähre und ein Zimmer im gewünschten Hotel erhält. Wer Schweden auf eigene Faust entdecken will, sollte frühzeitig Fähre und Betten buchen.

Anregende Feriengebiete, die sich nicht zuletzt für einen kurzen Urlaub eignen, findet man – schon weil sie bequem zu erreichen sind – an der schwedischen Westküste und im Gebiet der großen Seen bis zur Ostseeküste mit der Insel öland. Hier hat die Touristik-Zentrale Lübeck eine Anzahl von attraktiven Pauschalreisen anzubieten, die von einer Mini-Kreuzfahrt von drei Tagen nach Göteborg (ab 129 Mark) über eine achttägige Autoreise auf einen schwedischen Herrenhof (ab 590 Mark) bis zu einer sogenannten Erlebnisreise von zwölf Tagen Dauer zum Nordkap (ab 1712 Mark) reichen. Karola Sack