DIE ZEIT

Mehr Krach als Kraft

Ob vom neuesten, aber wohl kaum letzten Verdacht gegen den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Osswald die Rede ist; ob die letzte, aber vermutlich noch nicht schlimmste Phase der Münchner SPD-Querelen zur Sprache kommt; ob der Fortsetzungsroman der Berliner Affäre weitergeschrieben wird – all diese Themen scheinen ebenso degoutant wie unerschöpflich.

Fälschungen

Am 25. März veröffentlichte die rechtsradikale Deutsche National-Zeitung unter der Überschrift "Vereint gegen das Unrecht" einen Aufsatz, unter dem die Namen; Leszek Kolakowski und Adam Michnik standen.

Vom Zettel in den Mund

Hans-Dietrich Genscher bricht alle Reiserekorde – ein globaler Figaro, bald hier, bald dort, doch immer nur kurz, noch aus den Vorzimmern seiner Gastgeber mit Bonn telephonierend: Seine Ubiquität, der Bundesminister des Auswärtigen.

Blei am Bein

Die Frankfurter Allgemeine hat sich bemüßigt gefühlt, in einer Würdigung des aus Athen scheidenden Botschafters nachträglich dem 1972 amtierenden Kanzleramtsminister Ehmke eins auszuwischen: Der habe dem Ansehen der Bundesrepublik einen Streich gespielt, als er die Flucht des Rechtsprofessors Mangakis mit Hilfe eines Bundeswehrflugzeugs organisierte.

Am Kongo glimmt die Krisenlunte

Die Antwort fällt allenthalben verschieden aus. Carters UN-Botschafter Andrew Young – einen "Windbeutel" nannte ihn die Präsidentenmutter im Fernsehen – betrachtet Washingtons Afrikapolitik als Verlängerung der Bürgerrechtsbewegung und wirft dem Westen "Verfolgungswahn angesichts einiger oder auch einiger tausend Kommunisten" vor.

Worte der Woche

"Wir können uns aber nicht mit der Verletzung des Rechts, mit dem Mißbrauch der sozialistischen Demokratie und der bürgerlichen Freiheiten zu Aktivitäten einverstanden erklären, die einer fremden Klassenposition entspringen und gegen unseren Staat und die Einheit unserer Nation gerichtet sind.

Zeitspiegel

Bei der offiziellen Trauerfeier für die Opfer des Karlsruher Anschlags wurde den Witwen Buback, Göbel und Wurster vom Protokoll noch ein zusätzliches Opfer aufgebürdet.

Keine Angst vor dem Fortschritt

Es sind im wesentlichen drei Thesen Erhard Epplers, an deren Richtigkeit ich zweifele: Anfang der siebziger Jahre habe eine historische Zäsur stattgefunden, nach der nichts mehr so sein werde wie bisher.

Weißes Haus: Politik bei Bach und Mozart

Kein Präsident, der seine Pflichten treu erfüllen möchte", hat James K. Polk einmal geseufzt, "kann sich Müßiggang leisten." Jimmy Carter spricht diese Maxime seines Amtskollegen, der Amerika Von 1845 bis 1849 regierte, aus dem Herzen, Imponierte der Südstaatler schon als Wahlkämpfer durch seinen rastlosen Einsatz, so ist seine Arbeitswut als 39.

Wolf gang Ebert: Mal was Gutes!

Berlin: Ausströmende Radioaktivität ist nicht nur völlig harmlos, sondern sogar ein heilsames Mittel gegen Gicht, Malaria und Bandscheibenschäden.

Pakistan vor dem Bürgerkrieg?

Seit den Wahlen am 7. März (genauer: seit der Ankündigung dieser Wahlen im Januar), ist Pakistan nicht mehr zur Ruhe gekommen.

Der Löwe besucht den Bären

Der syrische Präsident, Hafez el Assad, den Kissinger einmal den "interessantesten Mann im Nahen Osten" genannt hat, will in Moskau die Friedenssuche beschleunigen.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: "Es gibt absolut keinen Grund für die Revision"

"Die Sowjetunion verfolgt nach wie vor die konsequente Linie, ohne Verzögerungen die Vorbereitung eines neuen Abkommens über eine Begrenzung der strategischen Offensivwaffen auf der Grundlage der Vereinbarung zwischen der UdSSR und den USA, die im November 1974 während des Treffens auf höchster Ebene in Wladiwostok erzielt wurde, und der Ergebnisse der darauffolgenden offiziellen Verhandlungen 1975–1976 abzuschließen und dieses zu unterzeichnen.

BONNER BÜHNE: Gemeinsam gezittert

Manche Sozialdemokraten vermerkten es mit Bitternis: Ihr linker Flügel ist fernseh-notorisch geworden. Über die Tagung in Oer-Erkenschwick wurde nicht unter dem Stichwort SPD, sondern unter dem Rubrum "SPD-linker Flügel", berichtet – ein Novum auf dem Bildschirm.

Was ist heute noch soldatische Tradition?

Am Anfang stand eine Lebenslüge. Die Bundeswehr sollte nach dem Willen ihrer Schöpfer etwas "grundlegend Neues" sein – so nachzulesen in ihrer Geburtsurkunde, der Himmeroder Denkschrift vom Oktober 1950 (Auszüge: Seite 10).

Himmeroder Denkschrift: Soldat aus der Retorte

Schon bei ihrer Entstehung steckte die Bundeswehr in dem kaum lösbaren Dilemma, mit traditionsverhafteten Berufsoffizieren aus dem Dritten Reich eine völlig neue, demokratische Armee zu schaffen.

Die Männer mit den goldenen Sternen

Wer sind sie – die Generale und Admirale der Bundeswehr? Es gibt 209: 133 Brigadegenerale (ein Stern) und Flottillenadmirale, 52 Generalmajore (zwei Sterne) und Konteradmirale, 22 Generalleutnants (drei Sterne) und Vizeadmirale und zwei Generale mit vier Sternen.

Terroristen-Prozesse: Was kosten uns die Lauscher?

Die Pläne der Bonner Opposition, nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Buback das Strafrecht und Strafprozeßrecht erneut zu verschärfen, werden auf die beiden zu Ende gehenden Baader-Meinhof-Verfahren in Stuttgart-Stammheim und Kaiserslautern keinen Einfluß mehr haben.

Nürnberg: Sie machten Soldaten madig

Die Bundeswehr ist, wie das Gesetz es befiehlt, dazu da, Volk und Staat der Bundesrepublik zu verteidigen. In Nürnberg nun ist die Bundeswehr vor kurzem gegen einen inneren Feind angetreten.

Kiel: Weg mit dem Zopf

Befehl aus dem Bonner Verteidigungsministerium: der alte Matrosenanzug wird eingemottet

Andorra an der Alster?

Wer besser verstehen will, warum die SPD bei den Wählern zunehmend in Mißkredit gerät, dem wurde auf dem Hamburger Landesparteitag am vergangenen Wochenende ein Lehrstück vorgeführt.

Frankfurt: Besetzte Kirche

Der Frankfurter Petersgemeinde ist ein besonderes Kreuz auferlegt worden: ihr Haus wurde besetzt. Nach dem Gottesdienst am vergangenen Sonntag ließ sich eine Gruppe von etwa 60 jungen Leuten nicht dazu bewegen, die Kirche zu verlassen.

Nachrichten: Statistik der Werte

Wieder einmal ist jemand unter die "Fliegenbeinzähler" gegangen, wie man gern selbstspöttisch in der Kommunikationsbranche sagt.

Zwischen Pest und Cholera

Der Wahl zwischen Pest und Cholera sind die Zukunftsvisionen vergleichbar, welche Gegner und Befürworter der Kernenergie seit Wyhl, Brokdorf und Grohnde gegeneinander heraufbeschwören.

Jimmys Entziehungskur

benutzen und statt dessen auf Kohle umstellen. Den Bau von Elektrizitätswerken und von Industrieanlagen, die mit Öl oder Erdgas betrieben werden, will Carter kategorisch verbieten, den Ölverbrauch der Industrie in bestehenden Anlagen zusätzlich besteuern.

Landwirtschaft: Oh, dieses Risiko

Unternehmer, so glaubt man gemeinhin, werden besser entlohnt als unselbständige Beschäftigte, weil sie unter erheblichen Risiken neue Märkte erschließen und investieren.

Bonner Kulisse

Auf schwankendem Boden bewegen sich alle, die sich in diesen Tagen und Wochen über den mutmaßlichen Anteil der Faulpelze am Millionenheer der Arbeitslosen auslassen – auch die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, (BdA), die die Auswertung einer Fragebogenaktion unter ihren Mitgliedern ventiliert hat.

Städtebau: Schilda an der Ruhr

Das berühmte Städtchen Schilda könnte bald einen großen Konkurrenten bekommen: die Ruhrmetropole Essen. Die Krupp-Stadt baut für 164 Millionen Mark ein neues Rathaus, in das die Stadtväter freilich nicht hineinkönnen – wenn sie sich nicht bald mit dem mächtigsten Baulöwen der Bundesrepublik, der "Neuen Heimat Städtebau", einigen.

Kraftstoff: Oft auf den Bauch gefallen

Immer im Frühling, wenn die Reiselust der Bundesbürger erwacht, fassen sich die Ölmanager ein Herz. Höhere Benzinpreise sind vonnöten, so befanden sie in diesem wie auch in den vergangenen Jahren.

Uran: Wer hebt den Schatz?

Das Thema Uranexport ist in Canberra ein Tabu. Selbst höhere Beamte aus dem Ministerium für Außenhandel und Rohstoffe erlauben sich nicht den Luxus einer eigenen Meinung.

Sand im Getriebe

Nur zögernd antwortete Bundesarbeitsminister Herbert Ehrenberg mit einem langgezogenen "Jaaa", um gleich im schönsten ostpreußischen Tonfall hinzuzufügen; "Aber es wird noch einige Zeit dauern.

ZEIT spart Geld

An Empfänger in Bulgarien, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei und in Ungarn können deutsche Postscheck-Kunden jetzt Zahlungen in unbegrenzter Höhe leisten.

Nur langsame Korrektur

Aus einer gemeinsamen Erklärung der dem Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften angeschlossenen Wertpapier-Investmentunternehmen geht hervor, daß die jährlichen Ausschüttungsbeträge reduziert werden sollen, weil nicht mehr im gleichen Maße wie bisher realisierte Kursgewinne und Bezugsrechterlöse den Ausschüttungen beigemischt werden.

Die Philips-Aktie wurde entzaubert

Nach Veröffentlichung des 1976er Abschlusses des holländischen Philips-Konzerns ist der Kurs der Philips-Aktie unter ungewöhnlich hohen Umsätzen um rund zehn Prozent gestiegen.

Firmen und Fakten

Mit dieser Misere erklärt die Grundig AG, Fürth/Bayern, das in den letzten Monaten ihres am 31. März beendeten Geschäftsjahres 1976/77 deutlich abgeflachte Wachstum.

Durchbruch bei den Aktien

Endlich ist die Zinssenkung bis zum Aktienmarkt durchgeschlagen. Rekordumsätze und Jahreshöchstkurse waren die Folge. Mit dieser Aufwärtsbewegung hatten viele Experten schon seit Monaten gerechnet.

Zeitraffer

Besorgnis in den westlichen Industrieländern hat der Spruch des New Yorker Zollgerichts hervorgerufen, den Import von elektronischen Gebrauchsgütern aus Japan mit einem Ausgleichszoll zu belegen.

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