Von Jens Friedemann

Im Umgang mit westlichen Geschäftspartnern sei "Vorsicht geboten"; in Gesprächen mit ihnen sollte "jeder Hinweis auf unsere Überlegenheit auf den Weltmärkten unterbleiben" – mit derartigen Ratschlägen versieht Ministerialdirektor Amaya vom japanischen Ministerium für Internationalen Handel und Industrie seine Landsleute für die nächste Phase des Handelskriegs zwischen dem fernöstlichen Kaiserreich und anderen Industrienationen.

Nachdem japanische Industriekonzerne im vergangenen Jahr eine der größten Exportoffensiven der Nachkriegszeit gestartet haben, gerät die Invasion preiswerter Fernseher, Autos und Kugellager jetzt unter schweres Feuer westlicher Konkurrenten. Amerikanische Zeitungen sprechen von einem "ökonomischen Pearl Harbour", dem die Revanche folgen müsse.

Als nun in den Freihäfen von Los Angeles, San Diego, Genua oder Le Havre ein bürokratischer Kleinkrieg um Importzölle und -lizenzen entbrannte, schickten die japanischen Exporteure ihre Politiker an die Front. Unterhändler aus dem Land der aufgehenden Sonne trafen in Brüssel und Frankfurt ein. Japans Premier Takeo Fukuda verhandelte Anfang des Monats mit US-Präsident Carter. Der japanische Außenminister plant eine Goodwill-Tour durch europäische Hauptstädte.

Den Alarm hatte die Lobby der amerikanischen Fernsehhersteller ausgelöst. Während ihr eigener Absatz nur mühsam in Gang kam, überschwemmten japanische Elektrokonzerne wie Matsushita (National), Sanyo und Toshiba den amerikanischen Markt allein im vergangenen Jahr mit rund drei Millionen Apparaten, fast 150 Prozent mehr als 1975, darunter Farbfernseher für umgerechnet kaum mehr als 700 Mark.

Solche Preise – so argumentierte die amerikanische Konkurrenz – können nur durch unfaire Methoden zustande kommen. Mit einer Klage vor dem Bundeszollgericht in New York konnte der amerikanische Elektrokonzern Zenith Mitte vergangener Woche japanische Fernsehgeräte, Radios und Stereoanlagen im Wert von 1,5 Milliarden Dollar in Freihäfen der Vereinigten Staaten blockieren. Das oberste Zollgericht wirft den Japanern Dumping vor. Beweis: Die Exporteure hätten die japanische Verbrauchssteuer rückerstattet bekommen – ein allerdings durchaus übliches Verfahren in allen Exportländern.

Ähnliche Repressalien drohen auch anderen japanischen Exportwaren. So zog der Stahlkonzern Gilmore aus Portland mit einer Dumpingklage vor das amerikanische Schatzamt. Auch hier lautete die Begründung: Die Japaner würden mit unfair niedrigen Preisen den amerikanischen Stahlmarkt an sich reißen und damit ihre Arbeitslosigkeit in den Westen exportieren.