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benutzen und statt dessen auf Kohle umstellen. Den Bau von Elektrizitätswerken und von Industrieanlagen, die mit Öl oder Erdgas betrieben werden, will Carter kategorisch verbieten, den Ölverbrauch der Industrie in bestehenden Anlagen zusätzlich besteuern.

Ob Jimmys Sparprogramm aber je Wirklichkeit wird, läßt sich schwer beurteilen. Carters Vorgänger Ford, der die Abhängigkeit der USA von Ölimporten durch einen Ölzoll reduzieren wollte (der den Benzin- und Heizölpreis ebenfalls nach oben getrieben hätte), konnte dafür im Kongreß nicht genügend Anhänger finden. Statt dessen versucht sich der Kongreß an der Formulierung eigener Pläne. Die auf Wiederwahl bedachten Senatoren und Abgeordneten mochten dabei aber den von ihnen vertretenen Interessengruppen nicht auf die Füße treten. Alle Resolutionen, Abstimmungen und Hearings verliefen daher schon bald im Sande.

Viele Beobachter vermuten, daß es Carter mit seinem ehrgeizigen Programm kaum besser ergehen wird als seinem Vorgänger Ford. Bestenfalls habe ein schwacher Aufguß der bitteren Medizin zur Heilung der amerikanischen Energiesucht nach Ansicht vieler Fachleute eine Chance. Dafür spricht auch das nach einer Amtszeit von 90 Tagen schon reichlich gespannte Verhältnis Carters zum Kongreß. Obwohl der Präsident in seiner Fernsehrede auf die Partnerschaft mit dem Kongreß verwies, hat er auf die guten Ratschläge der Abgeordneten bei der Formulierung des Programms weitgehend verzichtet.

Möglicherweise sieht der Kongreß das aber durchaus als Vorteil an – weil die Abgeordneten damit die "Schuld" an dem höchst unpopulären Programm voll auf den Präsidenten schieben können. Daß ein einschneidendes Energieprogramm seit Jahren überfällig ist, weiß eigentlich jedermann. Aber den meisten Amerikanern geht es wie dem Mann, der weiß, daß er sehr krank ist, aber aus Angst vor einer schmerzlichen Operation nicht ins Krankenhaus geht. Die ständig wiederkehrenden Spekulationen darüber, daß die bösen Konzerne Öl und Erdgas im Verein mit den noch böseren Arabern künstlich knapp halten, um den kleinen Mann auszubeuten, zeigt deutlich, wie verbreitet das Bedürfnis ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Meinungsumfragen ergeben, daß die Hälfte der Bevölkerung einfach nicht an Energieknappheit glauben will.

Andererseits ist aber auch nicht zu übersehen, daß der Teil der Bevölkerung wächst, der bereit ist, von der traditionellen amerikanischen Ideologie des "immer größer, immer schneller, immer höher" Abschied zu nehmen. Gleichwohl: Carter hat sicher nicht unrecht, wenn er voraussagt, daß seine Popularität nach der Bekanntgabe des Energieprogrammes um 15 Prozent sinken wird. Der unpopulärste Teil des Programms ist sicher-, lich die Benzinsteuer und die Steuer auf die benzinsaufenden Blech-Dinosaurier auf den Straßen der USA. Die Autohersteller in Detroit haben auch schon die zur Zeit publikumswirksamsten Gegenargumente parat: steigende Arbeitslosigkeit und Rückfall in die Rezession für den Fall, daß ihre fahrbaren Blechhaufen nicht mehr verkauft werden können.

Carters Energieprogramm beruht aber auf zwei Prämissen: