Ein Plädoyer für den vorsichtigen Ausbau der Kerakraf t

Von Horst Ehmke

Es sind im wesentlichen drei Thesen Erhard Epplers, an deren Richtigkeit ich zweifele: Anfang der siebziger Jahre habe eine historische Zäsur stattgefunden, nach der nichts mehr so sein werde wie bisher.

Der Begriff des Fortschritts sei dadurch ins Wanken geraten; ein neuer begrifflicher Ansatz müsse im Gegensatz von "Wertkonservatismus" und "Strukturkonservatismus" gefunden werden.

Viele der neuen Probleme ließen sich nicht mehr in das Rechts-Links-Schema einordnen.

Zunächst zur "historischen Zäsur". Sie soll Anfang der siebziger Jahre stattgefunden haben. Mir ist aber nicht klar, warum. Die Mondfahrt war eine – in ihrem Sinn umstrittene – große wissenschaftlich-technische Leistung, aber kaum eine Zäsur. Die ökologische Arbeit des Club of Rome hat uns daran erinnert, daß die Erde endlich ist. Aber an den realen Abläufen hat der Club of Rome – bisher jedenfalls – nichts geändert. Die Ölkrise des Jahres 1973 hat die Industriestaaten und noch mehr die Vierte Welt in große Schwierigkeiten gebracht und das Nord-Süd-Verhältnis drastisch verschoben. Aber sie ist doch nur eine Etappe im Abbau des Kolonialismus, des Imperialismus und der Herrschaft der Industriestaaten über den Süden. Auch die heutige Weltwirtschaftskrise ist keine "historische Zäsur", sondern nur eine Krise in einer langen Reihe sehr ähnlicher Krisen, die die kapitalistisch bestimmte Weltwirtschaftsordnung seit jeher kennzeichnen.

Die Zäsur verläuft woanders