Berlin: "Auktion Alte und Neue Kunst Galerie Gerda Bassenge"

Auf dem Gebiet der Handzeichnung bringt die Frühjahrsauktion ein reich gefächertes Material, das auch den kleinen Sammler auf seine Kosten kommen läßt. Das Preisgefüge ist auf diesem Marktsektor einigermaßen konstant, erfreulich unabhängig von Konjunktur und Krise. In der Preisklasse zwischen 500 und 2000 Mark findet man eine Menge wunderschöner Blätter, Landschaften von Waterloo, Esselens, Jan Janssens, Bemmel, dazu viele anonyme Zeichnungen. Aus der nächst höheren Kategorie sind eine "Diana" von Bartholomäus Spranger (Schätzpreis 2800 Mark), ein "Parisurteil" von Mieris (4000 Mark) hervorzuheben. Die beiden Spitzenblätter in dieser Abteilung, eine penibel ausgearbeitete "Hirschjagd" von Jost Ammann und eine energische "Petrus"-Zeichnung von Philips Köninck sind auf 12 000 Mark taxiert. In der Kunst des 18. Jahrhunderts dominieren, wie man das in der Galerie Bassenge gewohnt ist, Chodowiecki (mit rund 60 Katalognummern, darunter das köstliche "Familienblatt des Künstlers" sowie das Goetheporträt von 1776 und die "Wachtparade zu Potsdam") und Piranesi, von dem diesmal nicht die "Carceri", sondern die komplette Folge der "Capricci" für 5600 Mark und die kleinen römischen Ansichten für 6500 Mark angeboten werden. Die deutsche Romantik ist mit einer vorzüglichen kleinen Werkgruppe vertreten, zu der Johann Christian Reinhart, Schnorr von Carolsfeld, der Maler Müller (mit einer seiner seltenen Zeichnungen) und Horny (mit einer Vorstudie für die Ausmalung des Casino Massimo) gehören. Im übrigen werden das 19. und 20. Jahrhundert auch diesmal wieder vorwiegend mit Berliner Künstlern dokumentiert, von Schinkel (unter anderen die Sammlung seiner Theaterdekorationen für 17 500 Mark) bis Orlik, Leistikow, Corinth (dessen Graphik heute schon sehr hoch bezahlt wird), Hofer und Werner Heldt. (Versteigerung vom 26. bis zum 28. April, Katalog 20 Mark – anschließend Bücher und Autographen) Gottfried Sello

Hamburg: "Rudolf Levy"

Zwanzig Bilder von Rudolf Levy, zu wenig für eine längst fällige Retrospektive, aber mehr als genug, um den Rang dieses deutschen Malers zu bestätigen, der 1944 als Opfer der Nazis umgekommen ist. Rudolf Levy wurde 1875 in Stettin geboren, seine künstlerische Heimat ist Paris, wo er erst im Café du Dome, später im Schüleratelier von Matisse arbeitete. Ein offenes Talent, offen für Anregungen. Frankreich, französische Peinture, Cézanne, Matisse, damit ist die Basis für ein Lebenswerk angedeutet. Es ist leicht, Einflüsse nachzuweisen, das früheste ausgestellte Stilleben – von 1910 – ist Cézanne verpflichtet, und noch in dem späten Stilleben mit Dahlien aus dem Jahr 1942 kann man Matisse-Reminiszenzen erkennen. Normalerweise bedeutet solche Abhängigkeit den künstlerischen Ruin. Rudolf Levy ist die Ausnahme, das überzeugende Gegenbeispiel. Seine Bilder beweisen einen Sinn für farbige Valeurs, für die belebte, strahlende Oberfläche, wofür es in der deutschen Malerei kaum etwas Vergleichbares gibt. Das gilt für die großflächigen mediterranen Landschaften ebenso wie für die Stilleben, mit Einschränkungen auch für die Porträts, Da kommt gelegentlich eine Unsicherheit ins Spiel, als ob sich der Maler nicht zwischen einer rein dekorativen und einer psychologischen Personenbeschreibung entscheiden könne, und dann beläßt er es bei der Skizze, beim fragmentarischen Porträt. (Galerie Levy bis zum 15. Mai, anschließend Frankfurt, Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rat, Katalog 10 Mark) Gottfried Sello

München: "18 Subjektivisten?"

Das kokette Fragezeichen hinter dem Ausstellungstitel hat wohl seine Berechtigung. Der Postsurrealismus, hier vertreten durch den in den Nachkriegsjahren prominenten und einflußreichen Mac Zimmermann; der Neomanierismus. nach der Aufdeckung von Parallelen zwischen der Antiklassik des 16. Jahrhunderts und der Gegenwart in den frühen sechziger Jahren en vogue und heute von jungen Künstlern fortgeführt – diese beiden Strömungen haben eine verbindliche, lehrbare Sprache entwickelt, in der man sich auch mit dem neueren Realismus verständigen kann. Die Frage allerdings bleibt, wo diese Kunst, ausgestattet mit dem Charme des leicht Altmodischen, verspielt und artistisch, ihren Platz hat in der heutigen Kunstszene, zwischen individuellen Mythologien und photographisch genauer Wirklichkeitsdarstellung. (Galerie Christoph Dürr, bis zum 30. April; Katalog 10 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen: