Jedesmal wenn die Ölkonzerne versuchen, den Benzinpreis anzuheben, wittern die Wettbewerbshüter im Berliner Kartellamt Verrat. Bisher sind sie jedoch bei allen ihren Versuchen, den Unternehmen mißbräuchliche Ausnutzung von Marktmacht nachzuweisen, kläglich auf den Bauch gefallen. Kein Wunder. Wie bescheiden es um die Marktmacht der Mineralölkonzerne bestellt ist, zeigt sich daran, daß es ihnen bisher nicht gelang, durch höhere Benzinpreise aus der Verlustzone herauszukommen.

Jetzt glaubten die Wettbewerbs-Kriminalisten einem anderen Vergehen auf der Spur zu sein. Aus der Tatsache, daß die Verkäufer von .Markenbenzin stets alle brav nachziehen, wenn einer von ihnen einen neuen Versuch wagt, die Preise zu erhöhen, schlossen sie messerscharf auf abgestimmtes Verhalten. Und das ist verboten. Beweise konnten die Kartellwächter nicht finden – aber sie finden die Gleichzeitigkeit weiterhin "kurios".

Kurios ist aber nur, daß den Berliner Beamten offenbar nicht bekannt ist, daß Verkäufer identischer Produkte logischerweise gar nicht anders handeln können. Denn wer würde wohl bei Shell kaufen, wenn er gleich nebenan bei BP billiger bedient wird? mj