Über eine Jumbo-Luftbrücke soll der Agrar-Export nach Europa fördert werden

Jede Nacht werden zwei Jumbos die Bäuche vollgestopft; mit Erdbeeren, Avocados, Melonen und einer Million Blumen. Sie starten in Tel Aviv; ihr Ziel ist Köln.

Eigens für diesen Service, der vom Herbst bis zum Frühjahr geboten wird, haben die Israelis die zwei Flugzeuge vom Typ Boeing 747 angeschafft. Außerdem gründeten sie eine eigene Frachtchartergesellschaft, um ihren Kunden in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Ländern und Skandinavien näherzukommen. Spätestens 48 Stunden, nachdem die Früchte und Blumen in den Feldern und Gärten des "gelobten Landes" geerntet und geschnitten wurden, können sie in den Händen der Verbraucher sein.

Die Luftfracht ist teuer. Für eine Tonne Avocados im Wert von tausend Dollar etwa, die beim Schiffsversand bis Marseille und anschließendem Lkw-Transport bis Frankfurt 250 Dollar Fracht kosten würde, müssen im Jumbo 350 Dollar veranschlagt werden.

Aber der Einsatz soll sich lohnen. Zwar verteuert die Fracht das israelische Warenangebot; doch in Europa, so kalkuliert M. Shavits, der Generaldirektor der halbstaatlichen Agrientural Export Company (Agrexco), gibt es im Winter ohnehin weder billige Früchte noch billiges Gemüse. Für die Hausfrau gehe also trotz der hohen Preise die Rechnung auf.

Wieweit das auch für die Israelis gilt, das ist allerdings die Frage. Denn die beiden Jumbos, zu denen sich an manchen Tagen noch eine Boeing 707 gesellt, können nicht optimal genutzt werden. "Es wäre besser, wenn der Tag 27 Stunden hätte", sinnieren die Agrexco-Logistiker. Bei acht Stunden Flug hin und zurück, jeweils zwei Stunden Be- und Entladezeit sowie der Wartungszeit fehlen für eine Zwischentour mindestens zwei Stunden.

Auch auf dem Rückflug sind die Jumbos nur zum Teil ausgelastet; vor allem Autos werden mit ihnen nach Tel Aviv befördert. Wie sie aber in den Sommermonaten überhaupt beschäftigt werden sollen, dann also, wenn in Europa genügend Obst und Gemüse aus eigener Erzeugung vorhanden ist, weiß man auch noch nicht so recht. Die ganze Aktion läuft nach dem Rezept: Erst einmal anfangen. Wie es dann weitergeht, das wird sich schon zeigen.