Sollte sich die Eigendynamik des Wandels bei den Eurokommunisten auch nach einer Übernahme direkter Regierungsverantwortung weiter fortsetzen und vielleicht sogar noch verstärken, sollte also die KPdSU eines Tages feststellen, daß deren Konzeptionen und Aktivitäten dem Moskauer Interesse auf die Dauer eher schaden als nützen, so könnte die Sowjetführung die Lage neu überdenken. Sie könnte beispielsweise versucht sein, auch die Parteien des Eurokommunismus zu "finnlandisieren", das heißt nach dem Beispiel der KP Finnlands in den Reihen der Eurokommunisten moskautreue Gruppen zu unterstützen, um Druck auf die jeweiligen Parteiführungen auszuüben oder diese sogar zum Rücktritt zu zwingen. Daß dies keine reine Spekulation ist, beweist neben der finnischen Erfahrung die Entwicklung bei der KP Griechenlands (Spaltung 1968), der KP Spaniens (sowjetischer Spaltungsversuch 1969), der KP Norwegens (Ersetzung der reformorientierten durch eine moskautreue Führung 1975) und der Linkspartei-Kommunisten Schwedens (Spaltung 1977).

Freilich: Abgesehen davon, daß die KPdSU einen solchen Schritt nur als ultima ratio ansieht, ist es fraglich, ob die Sowjetführung hinsichtlich der Eurokommunisten überhaupt noch über einen solchen Hebel verfügt, am ehesten scheint dies noch bei der französischen KP der Fall. Möglicherweise würde sie mit einem solchen Schritt eher das Gegenteil dessen erreichen, was sie ursprünglich damit beabsichtigt hatte.