Amerikaner kommen bekanntlich mit einem Kaugummi im Mund auf die Welt. Für Chewing-Gum-Nachschub auf dem Weg von der Wiege bis zur Bahre sorgt eine Industrie, der die Kaulust einer ganzen Nation zu Milliardenumsätzen verhilft. Daran wollte auch die Firma Life Savers Inc. partizipieren. Vor zwei Jahren brachte sie folglich unter der Marke "Bubble Yum" einen Kaugummi auf den Markt.

Passionierte Gummikauer, die die Qualität eines Chewing Gum nach ähnlich raffinierten Maßstäben beurteilen wie Weinkenner einen mehr oder weniger guten Tropfen, rühmen die langanhaltende Süße und die Weichheit von Bubble Yum. Insbesondere der kauende Nachwuchs fraß sich daran einen solchen Narren, daß Bubble Yum binnen kurzem unter den Schulbänken ganz Amerikas klebte. Life Savers konnte monatelang die steigende Nachfrage kaum befriedigen.

Damit ist es seit kurzem vorbei: Auf den Schulhöfen im Großraum New York gehen seltsame Gerüchte um. Ein Steppke aus Brooklyn Heights: "Alle Kinder in meiner Klasse sagen: Iß es nicht, da sind Spinneneier drin!"

Ein anderer Dreikäsehoch erzählte, daß neun Kinder kurz nach dem Kauen von Bubble Yum gestorben seien. In einer Kleinstadt von New Jersey hörte der Besitzer eines Süßwarenstandes von seinen kleinen Kunden, ein Mädchen, das vor dem Schlafengehen Bubble Yum gekaut habe, sei am nächsten Morgen mit einem Spinnennetz vor dem Mund aufgewacht. In der Altersgruppe von neun bis neunzig wächst dagegen die – durch nichts begründete – Überzeugung, daß Bubble Yum Krebs auslöst.

Solche Gerüchte sind für amerikanische Marketing-Fachleute kein unbekanntes Phänomen. Oft kommen sie vielfach gleichzeitig an verschiedenen Orten auf, die Tausende von Meilen voneinander entfernt liegen. Ein typisches Beispiel dafür war das Gerücht von einer Frau, die in einer neuen Discount-Ladenkette einen Mantel anprobierte. "... Sie spürte einen Stich. Als sie nach Hause kam, war ihr Arm angeschwollen. Kurz darauf starb sie. Im Futter war Ungeziefer versteckt..." Mehrere Geschäfte in den verschiedensten Ecken der USA erlitten als Folge dieses Horrormärchens schwere Umsatzeinbußen.

Um das Leben ihrer Marke zu retten, hat die Firma Life Savers nunmehr Detektive angeheuert, die herausfinden sollen, wer das Gerücht in Umlauf gesetzt hat und ob hinter den Gerüchtemachern nicht möglicherweise die Konkurrenz steckt. In ganzseitigen Anzeigen in dreißig amerikanischen Zeitungen wandten sich die Kaugummihersteller zudem an die Eltern: "Jemand erzählt Ihren Kindern sehr böse Lügen über einen sehr guten Kaugummi".

Neben Kaugummi gehört Ketchup zu den Lieblingsspeisen der Amerikaner. Die sich tagtäglich über die unvermeidlichen Hamburger und Steaks ergießende rote Flut kommt zu 99 Prozent von den Tomatenfeldern Kaliforniens. Angesichts der Bedeutung dieser Frucht für das tägliche Leben der Amerikaner sind die Tomatenforscher an der Universität von Kalifornien unermüdlich um ihre Verbesserung bemüht.