Von Günter Deister

Kanada ist wieder dabei. Bei den Eishockey-Weltmeisterschaften von Wien (vom 21. April bis zum 8. Mai) vertritt erstmals ein echtes Profi-Team die kanadischen Farben. Die bisher dominierenden Mannschaften der UdSSR und der ČSSR haben damit eine starke Konkurrenz bekommen. Der Weg bis zur Vereinigung der europäischen mit der nordamerikanischen Eishockey-Welt war überaus beschwerlich gewesen.

Schon 1969 hatte der Internationale Eishockey-Verband (LIHG) auf seinem Sommerkongreß den Beschluß gefaßt, daß jede an der Weltmeisterschaft beteiligte Mannschaft bis zu neun Berufsspieler einsetzen dürfe.

Die Kanadier jubelten, die Sowjets zeigten sich bestürzt und der damalige IOC-Präsident, Avery Brundage, grollte. Wer gegen Profis antrete, so drohte der Amerikaner, verliere seine Amateureigenschaft. Die LIHG, die sich in zwei Lager gespalten hatte, nahm ihren halbherzig gefaßten Profibeschluß aus Angst vor dem Verlust der Anerkennung als olympische Sportart schnellstens wieder zurück.

Verständlicherweise war man besonders in Kanada über diesen Rückzieher des von den Europäern dominierten Verbandes .empört. Das für 1970 mit der Veranstaltung der Weltmeisterschaft beauftragte Toronto weigerte sich, die Titelkämpfe auszurichten. Kanada erklärte seinen Rückzug von der Weltmeisterschaft für so lange, bis das Land mit seiner stärksten Mannschaft, also mit Profis, an Titelkämpfen teilnehmen könne. Nach siebenjähriger Abwesenheit erlebt Wien nun historische Eishockey-Tage.

Solange das nordamerikanische Eishockey-Big-Business Rendite abwarf und die Kanadier in dem Glauben lebten, das beste Eishockey der Welt würde von ihnen gespielt, bestand absolut keine Neigung, mit den Europäern die Schläger zu kreuzen. Die Sowjets, der neue Riese im sogenannten Amateur-Eishockey, schmückten sich nahezu Jahr für Jahr mit dem Welttitel, und es dauerte lange, ehe sie ihrer allzu leichten Siege überdrüssig wurden und stärkere Gegnerschaft suchten.

1972 kam es dann zur ersten großen kanadisch-sowjetischen Konfrontation, als eine kanadische Auswahl der National Hockey-League (NHL) in einer "Serie des Jahrhunderts" die Sowjets besiegte und 9:7 Punkte aus acht Spielen erkämpfte. Zwei Jahre später wurde eine Vertretung der NHL-Konkurrenz, der World Hockey Association (WHA), von den sowjetischen Eishockey-Sputniks mit 5:11 Punkten abgeschmettert. Im gleichen Jahr gab das IOC, nun unter der liberalen Präsidentschaft Lord Killanins, seinen offiziellen Segen zu sogenannten "offenen Turnieren". 1975 beschloß die LIHG, auch Berufsspieler zu Weltmeisterschaften zuzulassen und wählte an die Stelle des anti-kanadisch eingestellten Iren John F. Ahearne den Düsseldorfer Dr. Günther Sabetzki zu seinem Präsidenten. Sabetzki gelang dann in langwierigen Verhandlungen der entscheidende Durchbruch: Kanada durfte 1976 den "Canada-Cup" ausrichten, den die Gastgeber vor der CSSR und UdSSR gewannen. Dafür mußte sich Kanada verpflichten, 1977 die Weltmeisterschaft erstmals wieder zu beschicken.