Die Individualurlauber, die Britannien im eigenen Wagen in Richtung Schottland durchreisen, kennen den historischen Hadrian Wall. Man fährt von London über die Autobahnen M1 oder M 6. Dann liegt bald Newcastle rechts und der "Hadrian’s Wall" links. Diese 120 Kilometer lange Mauer, von der noch rund ein Siebentel erhalten ist, ließ Kaiser Hadrian zwischen 122 und 128 n. Chr. erbauen, um die wilden Pikten von den nördlichen Grenzen des Römischen Reiches fernzuhalten. Fünf Meter hoch war sie einmal und wurde zusätzlich durch einen weiten Graben geschützt. In fünfzehn Forts hausten Infanterie und Kavallerie.

Eine günstigere als die Autobahn-Route ist für archäologisch Interessierte die kurvenreiche A 6318, die des öfteren in der Nähe der Mauer vorbeiführt. Auch der Naturliebhaber wird diesen Abstecher auf dem Wege nach Norden nicht bereuen. Northumberland hat seinen ganz eigenen Reiz. In der Gegend von Bellingham ist man wirklich "auf dem Lande". Einfach und preiswert sind die kleinen Gasthäuser und Privatunterkünfte. Der Fremde wird noch wie ein Gast begrüßt.

Südlich der Cheviot Hills breitet sich eine wellige Hügellandschaft aus, von Seen, Wäldern, Weiden, von Moor- und Heideflächen durchzogen. Schafe betupfen die Bergketten, Bussarde umkreisen Wanderer und Reiter, und im Chillingham Park grast friedlich eine Rinderherde besonderer Art. Vor Tausenden von Jahren wanderten die wilden Vorväter dieser schönen Tiere durch die tiefen Wälder Britanniens. Ihre Nachkommen sind die einzigen, die nie mit Nutzvieh gekreuzt wurden und noch nie ein farbiges oder teilweise farbiges Kalb in die Welt setzten.

Wer hier Wanderungen einlegen möchte, wähle einen Teil des Pennine-Way – dies ist einer der vier, etwa 300 Kilometer langen offiziellen englischen Wanderwege –, der Reiter ziehe hoch Zu Roß an Hadrian’s Wall entlang.

Ich habe es ausprobiert. "Wir haben Rassepferde, die bedeutend sicherer als Ponys sind", wird uns gesagt. Kurz nach meiner Ankunft thronte ich schon auf Jago, einem Hunter. Zwei Stunden ging es zur Probe querfeldein. Ich war Jahre nicht geritten, aber das störte Jago nicht. Er war gutmütig und gut erzogen, so wie die anderen 75 Pferde des Gestüts. Seit drei Generationen züchtet und trainiert Horald Dodds Familie im Tyne Tal diese Tiere. Eines, John Wood, hat 28 Rennen gewonnen und Geldpreise im Wert von 100 000 Mark eingebracht. Der bekannte Jockey Lester Piggot gewann auf ihm 20 000 Mark in Newmarket.

Drei Touren von je einer Woche Dauer werden bei Dodds angeboten. Wir wohnten auf einer Schaffarm. Einfach und herzlich geht es in dieser abgelegenen Gegend zu. Einige Gäste trockneten ab, wir schwatzten beim Whisky bis Mitternacht. Die meisten Reiter waren schon einmal Gäste auf der Farm. 300 kamen 1975 in den Monaten zwischen April und November, 800 waren es bereits 1976. Die Unterkünfte im Mötel und in dem Gasthof sind zwar bescheiden, aber dafür ist es der Preis auch. Auch Wochenendgäste sind willkommen.

Captain Dodd ist ein guter Organisator. Wird ein Reiter müde, kann er sich im mitfahrenden Auto ausruhen. Hier wird auch das Gepäck transportiert, auch ein kaltes oder warmes Picknick-Mittagessen neben Verbandszeug (was noch nie gebraucht wurde) fehlt nicht. Mit sechs Reitern kommt in der Regel eine Aufsichtsperson mit. Die Gruppen bestehen gewöhnlich aus 12 bis 15 Personen, 30 bis 50 Kilometer werden am Tage zurückgelegt, und etwa sechs Stunden sitzt der Reiter im Sattel. Die Pferde muß am Morgen oder Abend jeder selbst versorgen.