Hervorragend

Volker Kriege! & Mild Maniac Orchestra: "Octember Variations". Selbst da, wo "funk" im Titel steht (und ein prägnanter, federnder, also eher aufgekratzt hüftenschwingender Jazz gemeint ist) und "funky" gespielt wird, schlägt die Grundstimmung des Musikers Kriegel durch, erkennbar in einer scheinbar in Träumen sich verlierenden, matt melancholisch schimmernden, sehr ruhigen, streckenweise balladesken Musik. Man hat dabei immer den Eindruck, es werde einem etwas erzählt (mit instrumental verteilten Rollen), in einer, sagen wir: ’europäisch transformierten Andeutung von Blues. Voraussetzung dafür ist, daß der virtuose Ehrgeiz des Quartetts und seiner anderen Mitspieler sich nirgends in den Vordergrund spielt. Kriegel selber gelingt dabei das Kunststück, auch der elektrischen Gitarre so etwas wie Sanftmütigkeit und "Seele" abzugewinnen. (Kriegel, Gitarre; Bettermann, Tasteninstrumente; Fratermann, Schlagzeug; Ströer, Baßgitarre und -synthesizer; MPS 68.147)

Manfred Sack

Enttäuschend

Pink Floyd: "Animals". Ideales "muzak" für die Amphetamin-Generation: melodisch einfallslose Sound-Teppiche im buchstäblichen Sinne des Begriffs, Hintergrundmusik für imaginäre Tripfilme, bestens geeignet zur stimmungsvollen Untermalung von Fernseh-Features aller Art, mit einem Wort: Gebrauchsmusik in des Wortes abfälligster Bedeutung. Das Pink-Floyd-Debut "The Piper at the Gates of Dawn" ist immer noch ein Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik. Hier wurde das frühere Konzept der Gruppe endgültig zur (hysterischen) Selbstparodie. (EMI 1 C 0/6498 434) Franz Schüler-

Überflüssig

Karl-Heinz Köpcke: "Der vertauschte Koffer". Der Chefsprecher verliest nun auch eigene Texte – für Kinder. Er tut es mit gewohnt unbeteiligter Routine, die unsereins vom abendlichen Nachrichtendienst her kennt. Aus dem Schneider-Buch ist ein Hörspiel geworden. Die Plattentasche kündigt es als "spannend" an. Es handelt sich um einen dilettantischen Verschnitt aus probaten Kinderkrimis, in dem Familie Hecke (gütiger Über-Papi, angepaßte Sorgen-Mami, ein opahaft wirkender Sohn und zwei quengelige Zwillinge), ferner ein grüner Koffer, geklaute Kunstschätze und die richtige Anwendung des Genitivs eine ziemliche Rolle spielen. Es kommen vor: zwei Gangster, Höhlenabenteuer und ein Kommissar. Zum Schluß dieser arg konstruierten Story verzichtet Held Bastian auf 10 000 Mark Fangprämie. So viel triefende Herzensgüte und altkluge Tischkonversation bildungseifriger Kinder mit gequälter Heiterkeit wecken im Hörer schon fast wieder Sehnsucht nach Tarzan. (RCA, CL 29 803) Ute Blaich