Von Wolfgang Hoffmann

Das berühmte Städtchen Schilda könnte bald einen großen Konkurrenten bekommen: die Ruhrmetropole Essen. Die Krupp-Stadt baut für 164 Millionen Mark ein neues Rathaus, in das die Stadtväter freilich nicht hineinkönnen – wenn sie sich nicht bald mit dem mächtigsten Baulöwen der Bundesrepublik, der "Neuen Heimat Städtebau", einigen.

Die Opposition im Rathaus und vor allem der CDU-Fraktionsvorsitzende Königshofen, beteuert zwar, sie würde ihre Aufpasser-Rolle schon noch wahrnehmen und mit Nachdruck darauf bestehen, daß "die Neue Heimat nicht anders behandelt wird wie ein Normalsterblicher". Ob das aber ausreicht, drohenden Schaden von der Stadt zu wenden, ist zweifelhaft. Denn die Neue Heimat ist alles andere als ein Normalsterblicher.

Hohe und höchste Beamte der Stadt wissen das nur zu gut. Und hinter vorgehaltener Hand sprechen sie auch von "Skandal". Die Zivilcourage aber, dem gewerkschaftlichen Bauriesen diesen Vorwurf auch öffentlich zu machen, haben sie nicht. Das freilich mag nur den verwundern, der nicht weiß, wie sehr alle politisch Handelnden an Rhein und Ruhr miteinander verflochten sind. Sogar Oppositionsführer Königshofen wägt sorgsam seine Worte.

Dabei hatte die Essener Rathaus-Story so friedlich begonnen. Mitte der sechziger Jahre beschloß die Stadt, ihren Bürgern ein neues Rathaus zu bescheren. Zugleich wurde die Idee geboren, ein repräsentatives Einkaufszentrum, genannt City Center, zu bauen. Der Plan bot sich an, weil das Rathaus auf einem Gelände etwas abseits, östlich der City, entsteht. Es ist durch einen Graben – Essens sogenannter Schützenbahn – vom Bauplatz für das City Center getrennt. Eine Überbrückung des Grabens in mehreren Etagen sollte die Verbindung zur City schaffen.