Abstand wahren ist der kürzeste Weg in die Nähe des anderen.

Wer Träume nicht ernst nimmt, spielt nur mit dem Traum. Wir leben von Möglichkeiten und sterben an Wirklichkeiten.

In der Schwermut entdeckt das Denken seine Sinnlichkeit.

Im ehelichen Zwist zwischen Leben und Idee gibt der Klügere nach – die Idee; und so bleibt das Leben dumm.

Aphorismen von Hans Kudszus aus dem Band: "Jaworte, Neinworte" (BS 252, Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 102 S., 6,80 DM.)

Hans Kudszus

Eine der wenigen Normen und Konventionen sprengenden Gestalten unseres Geistes- und Literaturlebens, Hans Kudszus, ist im Alter von 75 Jahren in Berlin gestorben. Der Sohn eines Gendarmerie-Wachtmeisters aus Schleswig lebte nach einem ohne Examen beendeten Studium der Philosophie, nach Krieg und Gefangenschaft seit 1947 als "freier" Schriftsteller in West-Berlin. Ein "Werk" hinterläßt einer der hellsten Köpfe unseres geteilten Landes nicht. Auch deshalb ist es eine der Ruhmestaten der Freien Universität, daß sie diesem von "rechten" und "linken" Philosophen gleichermaßen bewunderten Denker 1967 den philosophischen Ehrendoktor verliehen hat, als einem, "der sein Leben unter mannigfachen Entbehrungen der Strenge des philosophischen Denkens unterworfen hat". In seiner improvisierten Dankrede sagte Kudszus damals: "Was bleibt? Skepsis. Wer die Wahrheit liebt, muß den Zweifel heiraten." Was bleibt nach dem Tod dieses eigensinnigen Mannes? Aufsätze über zeitgenössische Philosophie (vor dem Krieg in der "Deutschen Allgemeinen Zeitung", nach 1947 im "Tagesspiegel") und ein schmaler Band mit Aphorismen, den Dieter Hildebrandt 1970 in der Bibliothek Suhrkamp herausgegeben hat: "Jaworte, Neinworte". Dort findet sich der Leben und Werk dieses Mannes prägende Satz: "Wer die Sprache liebt, wird wortkarg."