Die Rechtsprofessoren der Hamburger Universität (Fachbereich Rechtswissenschaft I) fuhren Anfang dieser Woche schweres Geschütz auf: Sie beschuldigten die Bürgerschaft der Freien und Hansestadt, "unseriös" zu handeln und gegen ein in Bonn beschlossenes Gesetz zu verstoßen.

Der Hintergrund der Professoren-Attacke ist folgender: Als im politischen und universitären Bereich noch kein Konsens über die zukünftige Struktur des Lehrkörpers an unseren Universitäten bestand, setzte Hamburgs Senator, der für die Universität zuständig war, ein sogenanntes Überleitungsverfahren in Kraft, nach dem Dozenten und Wissenschaftliche Assistenten auf ihren Antrag hin als Professoren übernommen werden sollten.

Die Kriterien für eine Annahme dieses Antrags waren unter anderem: hervorragende Promotion und zusätzliche wissenschaftliche Leistungen. Rund 400 stellten einen solchen Antrag. Uni-Präsident Fischer-Appelt quälte sich schließlich durch 315 Fälle, nachdem die Fachbereiche ihre Voten abgegeben hatten. 132 wurden dann für würdig und fähig befunden, Professor zu werden. "Es waren eindeutige Fälle", so Fischer-Appelt. "Dieses Verfahren ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte der universitären Selbstverwaltung. Wir haben uns nicht zu schämen!"

Aber offensichtlich schämen sich die Juristen der Universität. Denn mittlerweile ist Anfang dieses Jahres das Hochschulrahmengesetz in Kraft getreten, das Kriterien festlegt, die die Qualifikation eines Professors ausmachen. Danach darf zum Professor nur berufen oder im Rahmen eines "Übernahmeverfahrens" ernannt werden, wer die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit durch die Qualität einer Promotion und darüber hinaus durch eine Habilitation oder durch gleichwertige wissenschaftliche Leistungen nachweisen kann.

Mit anderen Worten: Das Hochschulrahmengesetz legt strengere Maßstäbe an als das Hamburger Oberleitungsverfahren. Genügte für die 132 neben der "hervorragenden Promotion" noch "zusätzliche wissenschaftliche Leistung", was auch ein zwölfseitiger Aufsatz sein könnte, so verlangt das Hochschulrahmengesetz eindeutig mehr. Die Rechtsprofessoren: "Von den neun Dozenten unseres Fachbereichs (Rechtswissenschaft I) würden nur zwei die Qualifikation nach dem neuen Hochschulrahmengesetz erfüllen." Ihre Forderung: Da die 132 noch nicht formell ernannt worden sind – dies soll im Laufe des nächsten Monats geschehen, die Bürgerschaft hat dazu den Senat ermächtigt –, müßte das Ernennungsverfahren schleunigst gestoppt werden.

Der Hochschulpräsident findet diese Forderung seiner Professoren unbegreiflich und unerhört. Er, der von Haus aus Theologe ist, mag vielleicht die juristische Klarheit ihrer Argumentation nicht sehen. Vielleicht sieht er in ihrer Attacke auch nur den versteckten Wunsch der Professoren, möglichst unter sich zu bleiben und ihre Exklusivität nicht: durch einen "Peersschub" zu gefährden.

Ein Argument der Rechtsprofessoren leuchtet auf den ersten Blick ein: Würden alle 132 Dozenten und Wissenschaftlichen Assistenten jetzt doch zu Professoren ernannt, dann würde die Zahl der Professoren an der Hamburger Universität sich auf etwa 520 erhöhen. Sie würden auf Jahre hinaus den Stellenplan verstopfen. Für begabte Wissenschaftler, die sich habilitieren wollten, wäre kein Platz, sie bekämen keine Stelle, zu lehren und zu forschen. Hamburg, das mit Bürgermeister Klose in Übersee für die Qualität seiner Stadt wirbt, müßte in Sachen wissenschaftlicher Qualität zurückstecken – insofern erscheint die Attacke der Rechtsprofessoren alssinnvoll. v. K.