Zum Thema "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" sagte Gloria Steinem: "Wir müssen endlich herausfinden, was das eigentlich für die Gesellschaft heißt. Ein Mann von der Chase Manhattan Bank sagte mir: ‚Das wird das kapitalistische System zerstören.‘ Ich antwortete ihm: ‚Das wäre hinreißend‘." Und zum erwähnten Urteil des obersten Gerichts meinte sie: "Das bedeutet doch nichts anderes, als daß Männer für jede Haartransplantation Geld bekommen. Frauen kriegen nur Kinder, aber kein Geld."

Die weitverbreitete Männermeinung, daß erfolgreiche Frauen sich "hochschlafen", kommentiert die erfolgreiche Feministin so: "Ich habe noch keine Frau getroffen, die dadurch zu wirklicher Macht gelangt wäre. Dagegen hat es in der Geschichte ganze Generationen von Männern gegeben, die sich durch Einheirat ein Familienimperium erworben haben."

Sie beklagte auch, daß es unter den Frauenbewegungen aller Länder so wenig Kontakt gibt: "Wir brauchen eben ein internationales Zentrum. Warum", fragte sie die Studenten. mit einem aufmunternden Lächeln, "besetzen Sie nicht einfach dieses Gebäude?" Und zu den Professoren gewandt setzte sie mit großer Liebenswürdigkeit hinzu: "Meinen Sie nicht auch, daß es mal wieder an der Zeit wäre?"

Demnächst will sich Gloria Steinern als Woodrow-Wilson-Stipendiatin nach Washington begeben, um "nach Jahren der Agitation" wieder mehr zu schreiben und eine "langfristige politische Theorie der Frauenbewegung" zu entwickeln. Barbara v. Ihering