Nach Josef Schörghubers Rückzug: Immer weniger Wettbewerb um die Touristen

Wolfgang Grimm, Sprecher der Lufthansatochter Condor, sieht eigentlich nur Vorteile. Er glaubt nicht, daß nach der Übernahme von Josef Schörghubers Bavaria Germanair durch Hapag Lloyd die Konkurrenz härter wird. Im Gegenteil.

Er argumentiert: Wenn zwei starke Konzerne auf dem Flugchartermarkt den Ton angeben, bekommen sie auch die aus Kostengründen erforderlichen höheren Preise durch. Gesellschaften,denen es schlechtgeht und die deshalb mit Kampfpreisen arbeiteten, hätten noch weniger Chancen als bisher.

Dies ist nicht nur Grimms Meinung. Auch andere Branchenkenner glauben nicht, daß die Bavaria-Landung bei Hapag Lloyd weitere Bewegung auf dem (nach dem Ausscheiden von Südflug, Paninternational und Atlantis) schon weitgehend "bereinigten" Flugchartermarkt auslösen wird, daß etwa die rund 60 ausländischen Chartergesellschaften aus den Hauptzielländern des Lufttourismus ihren Marktanteil von gut 35 Prozent am deutschen Markt wesentlich ausbauen könnten.

Ja-Wort vom Kartellamt?

Fürs erste scheint bisher sicher: Condor (1976 rund 1,8 Millionen Passagiere; 411 Millionen Mark Umsatz) bleibt mit einem Anteil von 27 Prozent Marktführer. Die Addition der Ergebnisse von Hapag-Lloyd und Bavaria Germanair bringt einen fiktiven Wert von24 Prozent (1,6 Millionen Passagiere; 285 Millionen Mark Umsatz). Dritter der Rangliste ist der Düsseldorfer Außenseiter LTU (12 Prozent), der nicht vornehmlich mit Reiseveranstaltern, sondern mit Reisebüros zusammenarbeitet, mit starkem regionalen Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen.

In der laufenden Saison tut sich ohnehin nichts mehr; die Verträge mit den Reiseveranstalternsind längst unter Dach. Die Heiratskandidaten haben also – da auch das Bundeskartellamt sein Jawort noch geben muß – Zeit, ein Konzept für ihr Zusammenleben zu entwickeln. Jedenfalls: Mit dann 20 Flugzeugen und 2700 Plätzen wird es einer vereinigten Hapag-Lloyd-Bavaria Germanair leichter fallen, den Maschinenpark optimal auszulasten und – im Falle einer Panne – einen Ausgleich zu schaffen. Damit verbessert sich die Position gegenüber der Condor, die ja von der engen technischen Verbindung mit der Lufthansa sehr profitiert.