ZEIT: Mir scheint, der Grundfehler Ihres Stücks, an dem es letztlich scheitert, ist nicht etwa ein artistischer, sondern ein theoretischer. Daß ein Schriftsteller, gar berühmter und dadurch reicher Schriftsteller gleichzeitig Unternehmer, heißt: Ausbeuter, ist. Diese These halte ich für grundfalsch, und daran kippt für mich das ganze Stück. Ich glaube, daß jemand, der durch seine persönliche individuelle, nicht andere Leute benutzende Arbeit zu Erfolg kommt, nicht zu vergleichen ist mit dem, was man im klassischen Sinne den Unternehmer nennt, der unmittelbar von ihm abhängige Angestellte hat.

Breitbach: Zunächst einmal zu dem Wort Ausbeuter. Ich glaube nicht, daß es einen bewußten Ausbeuter ab einem gewissen Niveau, sei es in der Industrie, sei es also in diesem Fall in diesem Intellektuellen-Beruf, gibt. Sondern es gibt Sachzwänge. Auch Sachzwänge dieses Autors, dieses reichen, vielverdienenden Autors, dessen geistige Produkte ungeheuer vervielfacht werden, was ja ein Parallelvorgang zu der Vervielfältigung einer Ware ist, eines Warenartikels; das hat mich überhaupt auf die Idee dieses Stückes gebracht. Dieser Mann, im Gegensatz zu dem Industriellen, der, sagen wir, Sicherheitsnadeln oder einen Reißverschluß oder Maggi-Würfel oder Bier herstellt, ist sich nicht bewußt, daß er sein Produkt ebensowenig unter die Leute bringen kann ohne die Hilfe, Mithilfe anderer. Der Mann, der den Reißverschluß oder das Arzneimittel erfunden hat, hat die Wahl, entweder selbst ein Labor aufzumachen, wenn er es nicht schon hat – das Labor könnte immerhin dem Studierzimmer des Schriftstellers entsprechen –, oder er verkauft das, was er erfunden hat, an einen Agenten ...

ZEIT: ... oder einen Unternehmer.

Breitbach: Das ist fast immer dasselbe, es gibt da nur Nuancen zwischen dem Agenten und dem Unternehmer.

ZEIT: Also der Autor oder der Pharmazie-Erfinder ...

Breitbach: Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie immer bei dem Vergleich aus einem anderen Gebiet blieben.

ZEIT: Beides stimmt eben meiner Meinung nach nicht. Nehmen wir also den Mann, der das Penicillin, erfunden hat, und den Autor, der den großen Roman geschrieben hat. Beide haben eine intellektuelle Leistung vollbracht. Diese intellektuelle Leistung müssen sie vermitteln, in die Öffentlichkeit bringen. Dazu braucht der Erfinder des Penicillins entweder eine große Pharmazie-Fabrik oder, wie Sie sagen, einen Agenten, der die Sache transportiert, der zum Schluß die Ware herstellt und vertreibt, an den Verbraucher bringt. Dasselbe geschieht mit einem Roman (auf andere Weise natürlich genauso mit einem Theaterstück oder einem Film). Immer noch sind beide in derselben Lage, sind nicht Unternehmer oder, um dieses Wort zu gebrauchen, es fällt ja auch bei Ihnen, Ausbeuter. Da liegt eben mein großer Einwand.